Auf der Suche nach dem guten Schlagzeugerfoto


Tobias Mertens, Schlagzeuger, Rockband, Lord of the Lost
Tobias Mertens, Schlagzeuger der Band Lord of the Lost, Bochum/D                    ©Stefan Anker

Da habe ich mich auf etwas eingelassen. Heute habe ich während der Eisheilige-Nacht-Tournee mit dem Schlagzeuger der Band Lord of the Lost über gute Schlagzeugerfotos gesprochen, und er hat sich darüber beklagt, dass es von ihm kaum ordentliche Bilder gebe. Das hat natürlich meinen Ehrgeiz angestachelt, aber mir war nicht bewusst, vor welche Probleme mich der Auftritt der Band stellen würde. Obwohl ich bei der Tournee ein Privileg genieße, um das mich die Fotografen im Konzertgraben wahrscheinlich beneiden.

Ich habe einen Pass als Mitglied der Crew der veranstaltenden Band Subway to Sally, darum darf ich überall hin, auch auf die Bühne (nach Absprache mit den Musikern natürlich). Also sind Fotos auf Augenhöhe möglich, die ich ja so schätze. Trotzdem war es unglaublich schwierig – aus drei Gründen.

Erstens: Der neue Trend in der Bühnenbeleuchtung ist Gegenlicht. Also Scheinwerfer schön von hinten, damit die Gesichter der Musiker, gerade bei Bands mit düsteren Inhalten, nur noch schemenhaft zu sehen sind. Das menschliche Auge hat immer noch etwas davon, aber Kamerasensoren steigen da irgendwann aus (siehe das Thema Dynamikumfang gestern).

Zweitens: Das Lord-of-the-Lost-Schlagzeug steht hinten und am rechten Bühnenrand. Es bekommt auch dann oft weniger Licht ab, wenn die Beleuchtung mal von vorn auf die Musiker fällt.

Drittens: Meine Güte, ist der Mann beweglich. Normalerweise fotografiere ich mit kontinuierlichem Autofokus und halte den Fokuspunkt möglichst auf einem Auge. Aber Tobias Mertens kann ziemlich wild mit dem Kopf nicken, wackeln und schütteln, also habe ich unterwegs die Strategie gewechselt und mit festem Autofokus gearbeitet. Wegen der offenen Blende und der entsprechend knappen Tiefenschärfe war das natürlich auch ein Risiko.

Langer Rede kurzer Sinn: Ich habe dieses Foto, über das Tobias und ich gleichermaßen froh sind, nur mit dem Einsatz brutaler Gewalt machen können. Also ungefähr 1000 Belichtungen und sicher 900 Mal Ausschuss.

Gut, dass ich hier nicht im Auftrag einer Zeitung oder gar eines Onlinemediums arbeiten musste, wo sehr schnell Ergebnisse verlangt werden. Das Fotografieren selbst hat zwar nur gut 20 Minuten gedauert, aber das Sichten und Sortieren – dafür hätte ich manchmal gern ein intelligentes Computerprogramm.

Andererseits: Wenn man dann irgendwann das eine wirklich gelungene Foto findet – das fühlt sich an wie das Heben eines Schatzes.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

2 Kommentare zu „Auf der Suche nach dem guten Schlagzeugerfoto

  1. Schlagzeuger zu Fotografien ist immer eine Herausforderung. Bei über 200 Konzerten die ich bereits fotografiert habe sind nur ganz wenig wirklich gute von Schlagzeugern dabei. Gerade aus dem Bühnengraben ist es oftmals extrem schwer wenn die Bühne gefühlte 4m hoch ist. Das schlimmste war bisher das Rockavaria Festival in München. Da konnte man das echt vergessen. Am besten ist es nach wie vor wenn man die Möglichkeit hat auf der Bühne zu stehen

    VG
    Adrian
    https://sailerwatchblog.de

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