Glücksbringer auf dem Dach


Schornsteinfeger, Arbeit, Schornstein, Dach
Schornsteinfeger bei der Arbeit, Königs Wusterhausen/D                    ©Stefan Anker

Menschen bei der Arbeit sind immer ein schönes Motiv, das gilt im Besonderen für Handwerker. Also habe ich heute den Schornsteinfeger gefragt, ob ich ihm oben auf dem Dach ein bisschen mit der Kamera zusehen darf. Das durfte ich – und ich habe dabei auch erfahren, warum man sagt, dass Schornsteinfeger Glück bringen.

Für den Schornsteinfeger war die Sache mit der Kamera überhaupt kein Problem, er ist daran gewöhnt. Immer mal wieder kommen Fotoreporter zu ihm, um Bilder zu machen, vor allem in der Zeit vor Silvester. Das liegt an dem Glücksmythos, der mit dem Schornsteinfegerberuf verbunden ist, der aber auch einen realen Hintergrund hat.

Früher, also ganz früher, konnte sich nicht jeder Hausbesitzer die Dienste des Schornsteinfegers leisten, und eine Pflicht zur jährlichen Kaminreinigung gab es auch nicht. Also konnte es passieren, dass sich der im Schornstein abgelagerte Ruß, bester brennbarer Kohlenstoff übrigens, durch die heißen Abgase entzündete und das Haus abbrannte. Bei wem das nicht passierte, der hatte Glück, denn er hatte zuvor den Schornsteinfeger da.

Und ich hatte Glück, dass ich ein schönes Foto machen konnte, ohne das Haus verlassen zu müssen. Ich musste diesem Glück allerdings auch technisch ein bisschen nachhelfen, denn ohne Blitzlicht wäre dieses Foto nicht gelungen.

Eine Person gegen den hellen Sommerhimmel zu fotografieren – dabei wird ihr Gesicht schwärzer als das eines Schornsteinfegers, der zuvor selbst im Kamin gesessen hat. Oder man belichtet zwei, drei Stufen zu reichlich und verliert die schöne Zeichnung im Himmel, was das Bild langweilig macht.

In so einer Situation muss man seinem Belichtungsmesser zunächst mal vertrauen und gleichzeitig das Motiv mit dem Blitz aufhellen. Für so etwas ist der TTL- bzw. E-TTL-Modus erfunden worden, und das klappt eigentlich immer. Problematisch ist dabei nur die Blitzsynchronisation, also das Zusammenspiel zwischen Kameraverschluss und Blitz: Ergibt die Belichtungsmessung eine Belichtungszeit, die kürzer ist als 1/200 Sekunde (was an so einem herrlichen Sommertag wie heute kaum zu vermeiden ist), dann lässt die Kamera nicht zu, diese kürzere Zeit auch einzustellen. Auch ein Wechsel in den manuellen Modus sowohl der Kamera als auch des aufgesteckten Blitzes bringt nichts: Belichtet wird mit 1/200 Sekunde, selbst wenn man manuell 1/1000 oder kürzer vorgewählt hat. Jedenfalls ist das in meiner Canon-Welt so.

Das ist auch sinnvoll, weil das Foto mit einer sehr kurzen Belichtungszeit misslingen würde: Man sähe einen Teil des Kameraverschlusses als schwarzen Streifen im Bild. Damit das nicht passiert, muss man den Blitz auf HSS (High Speed Synchronization) einstellen können. Dann feuert er mehrere, extrem kurze Blitze schnell hintereinander ab, was das Problem löst, und zwar sowohl im manuellen als auch im E-TTL-Betrieb.

Allerdings gilt ja in der Technik der Grundsatz: Kein Vorteil ohne Nachteil. Ein Blitz im HSS-Modus bringt nicht mehr so viel Leistung wie im Standardbetrieb, das Licht kommt also nicht mehr so weit. Für dieses Bild hier hat es aber gereicht – so ein Glück.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

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