Die größere Bedeutung des Rewe-Einkaufswagens


Einkaufswagen, Supermarkt, Rewe
Einkaufswagen am Rewe-Markt, Königs Wusterhausen/D                    ©Stefan Anker

Es ist Zufall, dass es Rewe ist, es hätte auch Aldi oder Netto sein können, oder was es da sonst noch gibt. Entscheidend ist: Heute beim Einkaufen sah ich die zusammen geschobenen Einkaufswagen da stehen, und als Fotograf wird man ja magisch angezogen von Strukturen, Linien, Symmetrien, Parallelen. Jedenfalls war im Laden kaum etwas los, entsprechend viele Wagen standen da, und ich suchte nach einer Möglichkeit, diesem schlichten Fotomotiv einen modischen Touch zu geben. Dabei stieß ich auf ein uraltes Prinzip.

Es heißt „Goldener Schnitt“, und soweit ich weiß, haben schon Generationen von bildenden Künstlern ihre Gemälde und Skulpturen nach dieser Regel gestaltet, bevor irgendjemand auf die Drittelregel gekommen ist.

Ich will dafür nicht die Hand ins Feuer legen, aber die Drittelregel, nach der das bildwichtigste Element auf einer der senkrechten oder einer der waagerechten Drittellinien im Bild zu liegen hat (oder am besten auf einem Schnittpunkt zweier Drittellinien), scheint mir eine Erfindung der Moderne zu sein. Jedenfalls wird die Befolgung der Drittelregel heute überall empfohlen (von mir auch manchmal), während vom Goldenen Schnitt seltener die Rede ist.

Das liegt daran, dass die Drittelregel sowohl theoretisch leicht zu erklären ist (siehe oben), als auch in der Praxis einfach anzuwenden. Wer seine Augen wirklich zum Sehen benutzt, der kann eine beliebige Strecke im Verhältnis 2:1 teilen (zwei Drittel zu ein Drittel). Man bekommt einen Bildaufbau nach der Drittelregel meist ohne Hilfslinien im Sucher hin.

Das ist beim Goldenen Schnitt nicht so leicht. Denn hier muss man eine Strecke (z.B. die Breite des Bildes) so aufteilen, dass das Verhältnis zwischen der Gesamtstrecke s und der größeren Teilstrecke a exakt dem Verhältnis zwischen der größeren Teilstrecke a und der kleineren Teilstrecke b entspricht. Also s:a = a:b.

Ich wüsste jetzt nicht, wie man diese Aufgabe exakt löst, aber Professor Wikipedia sagt mir, dass Teilstrecke a etwa 61,8 Prozent der Gesamtstrecke s ausmacht, während Teilstrecke b auf 38,2 Prozent kommt. Das ist nur scheinbar gar nicht so weit weg von der Drittelregel (a=66,66 %, b=33,33 %). Doch das Längenverhältnis der beiden Teilstrecken beträgt hier 2:1, während das Ergebnis der Division a:b im Goldenen Schnitt 1,618:1 lautet. Nach Gefühl ist der Punkt, an dem man auf der Gesamtstrecke s den Goldenen Schnitt setzt, nur sehr schwer zu treffen.

Am besten fotografiert man in der Praxis nach der Drittelregel und lässt sich etwas Spielraum zum Schneiden. Dann kann man den Goldenen Schnitt später in der Bildbearbeitung erzeugen – wer dazu das Programm Lightroom benutzt, findet im Zuschnittwerkzeug verschiedene Hilfslinien, die man mit einem Druck auf die Taste „o“ wechseln kann.

In meinem heutigen Bild ist der Handgriff eines der Einkaufswagen besonders hervorgehoben, durch selektive Schärfesetzung, durch Blitzlichteinsatz (daher die helle Orangefärbung) und durch einen Radialfilter, der den Rest des Bildes abdunkelt. Diese drei Maßnahmen hatten das Bild schon recht gut aufgedonnert, aber dann  dachte ich mir: Probiere, ob der Münzschlitz dieses Einkaufswagens sowohl senkrecht als auch waagerecht im Goldenen Schnitt liegen kann. Kann er.

Was mich dabei besonders freut: Es klappt sogar im Bildformat 16:10. Das habe ich zwar noch nie verwendet, weil mir 16:9 besser gefällt. Aber außer der Tatsache, dass ein 16:10-Bild das Display meines MacBooks genau ausfüllt, gab es noch einen Anlass, für dieses Foto das Format 16:10 zu wählen: Aufmerksame Leser erinnern sich an das Längenverhältnis im Goldenen Schnitt – 1,618 : 1. Das kann man auch als 16,18:10 lesen, und somit ist das Bildformat 16:10 das, was am besten zum Goldenen Schnitt passt.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

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