Subway to Sally in Concert


Ingo Hampf, Gitarrist der Band Subway to Sally, während der
Ingo Hampf, Gitarrist der Band Subway to Sally, spielt das Lied „Maria“ die anderen Musiker haben die Bühne verlassen, das Publikum singt                    ©Stefan Anker

Seit gestern sind wir unterwegs, und das erste Konzert, das die Band Subway to Sally bei ihrer „Neon“-Tour gegeben hat, war aus meiner Sicht ein voller Erfolg. Location sehr schön (Schlachthof, Wiesbaden), Publikum zahlreich und angemessen enthusiastisch, Band in sehr guter Verfassung. Als Fotograf muss ich bei der speziellen Gestaltung des Bühnenbilds meinen Platz noch finden, aber es gibt ja noch acht weitere Auftritte, das wird schon klappen. Dafür habe ich technisch etwas ausprobiert, was geradezu einem Tabubruch gleichkommt.

Ich habe – tataaa! – erstmals nicht im Raw-Format fotografiert, sondern die Kamera so eingestellt, dass sie nur jpg-Dateien erzeugt. Wer sich mit dem Fotografieren nicht so auskennt: Die meisten sagen (zumindest alle Fotozeitschriften sagen es), das geht gar nicht. Aber ich finde, es geht doch. (Liebe Subway-Fans, Ihr dürft jetzt gerne dranbleiben, aber von hier an kommt nichts mehr zur Musik – außer dem Hinweis, dass sich die Unentschlossenen dringend noch Karten kaufen sollten, weil es sich lohnt.)

Grundsätzlich gilt: Raw-Dateien zeichnen alles auf, was die Kamera zu bieten hat, sämtliche Bildstile sind darin enthalten, der komplette Dynamikumfang des Sensors, alle möglichen Weißabgleiche und so weiter. Kurz: Wer eine Raw-Datei hat, kann alles daraus machen und muss sich nicht auf die Bildbearbeitungsinterpretation der Kamera verlassen. Ein jpg-File ist nämlich nichts anderes als eine bearbeitete Bilddatei: Farben, Helligkeit, Sättigung, Schärfe, Weißabgleich, Entrauschung, alles schon fertig. Blöd nur, wenn es nicht gefällt, dann muss man doch wieder selbst bearbeiten – und hat dazu weniger Möglichkeiten, weil viele Informationen schon weg sind aus dem Bild, denn jpg ist auch ein Komprimierungsformat. Und was weg ist, kann auch nicht mehr zurückgeholt werden. Gerade bei stark unter- oder überbelichteten Bildern ist die Raw-Datei in Sachen Korrektur dem jpg-Format weit überlegen. Und doch gibt es für mich vier Gründe, aus denen ich es mal mit jpg probiert habe.

1.) Ich war neulich beim Frühjahrsfest meines Lieblings-Fotohändlers Calumet („It’s where the Pros go“, ich liebe schon diesen Slogan, außerdem sind die Leute wirklich gut da, jedenfalls in der Berliner Filiale), und da war natürlich auch ein großer Stand von Canon mit drei oder vier Experten. Und einer von denen schwärmte von der automatischen Entrauschung, die die neue EOS 5D Mark IV ihren jpg-Bildern angedeihen lasse. Da müsse man sonst in der Bearbeitung viel Geduld, Talent und ein sehr gutes Programm einsetzen. Okay, dachte ich, so hatte ich es noch gar nicht gesehen, das probiere ich. Und siehe da: Das Foto hier ist mit ISO 6400 aufgenommen, ich habe also die Lichtempfindlichkeit des Sensors sechs Mal verdoppelt im Gegensatz zu ISO 100. Normalerweise macht sich in diesem Fall  böses Rauschen breit, auch bei einer so topmodernen Kamera wie der 5D Mark IV. Man bekommt das per Software in den Griff (ich habe schon gute Party-Porträts mit ISO 12.800 gemacht), aber wenn die Kamera die ganze Arbeit selbst erledigt, und dann auch noch so gut – das ist für mich ein eindeutiges Pro-jpg-Argument.

2.) Das gilt umso mehr, wenn man sehr viele Bilder macht. Gestern, am ersten Tag der Tournee, waren es bei mir wieder etwas mehr als 2000 Aufnahmen. Wie herrlich, wenn man das mit einer Speicherkarte erledigen kann und hinterher nicht ständig anbauen muss in Sachen Festplatte. Im Ernst: Die Raw-Dateien der 5D Mark IV haben jeweils 35 bis 40 Megabyte, die jpg-Files nehmen nur etwa ein Fünftel dieser Größe ein, sehr praktisch.

3.) Dann sind jpg-Daten natürlich sehr gut, wenn man die fertigen Bilder schnell braucht, so wie hier für einen Blogeintrag. Weil die Kamera sie schon vorbearbeitet hat, geht es schneller. Wobei ich zugeben muss, dass ich hier schon noch geschraubt habe. Die Lichter der Scheinwerfer waren natürlich überstrahlt, das ließ sich aber zurücknehmen (jpg-Files haben auch ein paar Reserven), und den Übergang zwischen der beleuchteten Bühne und der Schwärze im Zuschauerraum habe ich mithilfe des Schwarzreglers etwas harmonischer gestaltet. Außerdem habe ich mit dem Korrekturpinsel die Lichtkante um das Gesicht des Gitarristen verstärkt und die Sättigung der Farbtöne Rot, Orange und Gelb angehoben. Wie man sieht, habe ich nicht wirklich an Arbeit gespart, das gebe ich zu. Wie man aber auch sieht, kann man an jpg-Dateien ebenfalls gut herumdoktern, das hätte ich gar nicht so gedacht.

4.) Die Qualität des Ergebnisses ist für mich überraschenderweise nicht sichtbar schlechter, als wenn ich im Raw-Format fotografiert hätte. Für den geplanten Bildband über Subway to Sally sehe ich da gar keine Probleme. Ich denke, auch  Kunden (etwa Hochzeitspaare) würden den Unterschied niemals bemerken. Andere Fotografen tun das vielleicht, ich selbst traue mir das aber nur im direkten Vergleich zu. Den ich hier nicht machen kann, denn die Tour hat noch acht Konzerte (heute sind wir in Memmingen/Allgäu, sehr fern der Heimat), und ich bin etwas knapp mit Festplattenplatz. Vielleicht sollte ich mir grundsätzlich angewöhnen, Großkampftage im jpg-Format zu fotografieren und Raw-Dateien nur noch zu erzeugen,wenn es wirklich um alles geht (Porträt, Produkt, solche Sachen).

Wie immer nehme ich sachdienliche Hinweise dazu gern entgegen.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565

mail@stefananker.com

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