Funk, Waffen, Munition?


Marienborn, Helmstedt, Transit, BRD, DDR, innerdeutsch, Grenze
Ehemaliger Grenzübergang zwischen West und Ost, Marienborn/D                    ©Stefan Anker

Die Älteren werden sich noch erinnern: Die Frage „Funk, Waffen, Munition?“ war für uns Westdeutsche so eine Art Dreiklang des Sozialismus, wenn wir auf der Transitautobahn nach Berlin fuhren. Nicht Glaube, Liebe, Hoffnung, nicht Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, nein, ein humorloser Grenzer (der erste in einer ganzen Reihe) interessierte sich ausschließlich dafür, ob wir die Grundausstattung des feindlichen Spions bei uns hatten. Und humorvolle Westdeutsche, die diese Frage mit einem Scherz beantworteten („Mist, hab ich doch wieder die Handgranaten zu Hause gelassen“) hatten Anspruch auf die Gastfreundschaft des Grenzregimes. Heute sind die meisten Grenzanlagen abgebaut, aber der Übergang auf der Strecke Hannover-Berlin ist als Gedenkstätte erhalten, verfällt so langsam vor sich hin, und man darf da machen, was man früher auf keinen Fall durfte.

Na klar, fotografieren. Der gigantische, mehrspurige, mit unzähligen Baracken und Scheinwerfertürmen ausgestattete Platz zwischen Helmstedt und Marienborn, direkt neben einer Raststätte gelegen, ist ein Lost Place der allerfeinsten Sorte, obwohl ich ziemlich sicher bin, dass man ihn nicht so ohne Weiteres für kommerzielle Produktionen nutzen kann. Immerhin: Gedenkstätte.

Aber man kann ganz privat versuchen, die Stimmung des Ortes einzufangen, der so ganz ohne den Dauerstau der Westdeutschen noch etwas unheimlicher wirkt, als er das früher tat.

Natürlich ist es nicht ganz fair, einen Ort so zu fotografieren, dass seine Trostlosigkeit oder auch Feindseligkeit besonders zum Ausdruck kommt, aber in diesem Fall schlägt  mein schlechtes Gewissen eher leise. Ich habe darum auch in der Farbgebung ein paar Register gezogen, um den von mir gewünschten Bildeindruck noch zu verstärken.

An zu vielen Reglern habe ich gedreht, um das hier im Einzelnen auszuführen, vielleicht nur zwei grundsätzliche Bemerkungen. Erstens: Man kann Trostlosigkeit immer gut mit einer Schwarzweißumwandlung erzeugen, muss man aber nicht. Zweitens: Ein ordentlicher Gilb-Effekt tut es auch, und den erreicht man mit dem Zusammenspiel aus Weißabgleich (Richtung warm/gelb), Entsättigung, Kontrastanhebung und Feinarbeit an den Farbreglern für Gelb, Rot und Orange.

Einfach mal ausprobieren, aber das Motiv muss auch dazu passen. Eine fröhliche Sommerfestszene stelle ich mir in dieser Bearbeitung nicht so optimal vor.

Alles hat schließlich Grenzen.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

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