Recht und Unrecht


Kammergericht, Verfassungsgericht, Berlin, Volksgerichtshof
Kammergericht, Berlin/D                    ©Stefan Anker

Das Gebäude kann ja nichts dafür. Aber wo heute das Berliner Landesverfassungsgericht seinen Sitz hat, hat sich auch eine der dunkelsten Stunden deutscher Rechtsgeschichte abgespielt. Ich bin schon häufig an diesem Gebäude vorbeigefahren, aber heute war das Wetter trüb genug, um es mal so zu inszenieren, wie es wahrscheinlich diejenigen gesehen haben, die dort im „Dritten Reich“ angeklagt waren.

Eigentlich beherbergte das Gebäude (1909 bis 1913 errichtet) immer das Berliner Kammergericht, das übrigens schon seit dem 15. Jahrhundert existiert, womit es das älteste ununterbrochen tätige Gericht Deutschlands ist.

Doch in den letzten Kriegsjahren gab es im Kammergericht auch Prozesse des Volksgerichtshofes, eines eigens für politische Straftaten (u.a. Beleidigen des „Führers“, Zweifeln am „Endsieg“) gegründeten Gerichts. 5000 Todesurteile wurden vom Volksgerichtshof gesprochen (hier im Kammergericht unter anderem gegen die Attentäter vom 20. Juli 1944) , und die Prozesse sprachen jeder Vorstellung von Rechtsstaatlichkeit Hohn. Wer vor dem Volksgerichtshof antreten musste, war verloren, sobald er das Gebäude betrat.

Um dieses Gefühl auszudrücken, habe ich zunächst auf schlechtes Wetter gewartet, dann habe ich das Bild unterbelichtet und mit einem Ankippen des Weitwinkelobjektivs dafür gesorgt, dass die Kolonnaden sich in Richtung des Betrachters neigen.

In der Bildbearbeitung habe ich zwei Radialfilter eingesetzt. Einer deckt den Himmel ab und arbeitet mit Abdunklung und Kontrasterhöhung die schwarzen Wolken heraus. Als Nebeneffekt werden die Figuren auf den Kolonnaden fast schwarz, was den bedrohlichen Eindruck noch verstärkt.

Der zweite Radialfilter zieht sich einmal quer über das untere Drittel des Bildes. Er hellt die Lichter und Weißtöne auf, was den Gebäuden Struktur und Kontrast verleiht. Zum Schluss ist das ganze Foto stark entsättigt worden (es ist aber nicht ganz schwarzweiß, das Grün des Rasens ist noch leicht erkennbar).

Am Ende stellt sich hier vielleicht mehr als sonst die Frage: Darf man so stark bearbeiten? Darf man sich an eine Ästhetisierung des Grauens wagen? Darf man Fingerübungen machen vor dem Hintergrund real erlebten Grauens?

Ich finde, man darf es, sonst hätte ich es ja nicht getan. Und ich bin wahrlich nicht der Einzige. So werden die Stätten des Nationalsozialismus auch in Filmen immer wieder düster und bedrohlich inszeniert.

Und warum auch nicht? Es war nun mal die dunkelste Zeit der deutschen Geschichte. Das weiß jeder, und dann darf man das auch so zeigen.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

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