Heute doch lieber keinen Fisch?


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Knurrhähne im Angebot eines Fischhändlers, Wien/A                    ©Stefan Anker

Fotos können auch Haltungen verändern, davon bin ich überzeugt. Ich will jetzt diesem Schuss vom Wiener Naschmarkt keine weltbewegende Wirkung unterstellen – aber ich finde, wer es sich ansieht und gleich danach eine Bouillabaisse bestellt, der hat kein Herz, oder?

Zugegeben, ich bin ein Verdränger. Ich esse Fleisch und Fisch und bin froh, dass andere für mich die Drecksarbeit erledigen: Jagen, fangen, töten, ausnehmen – damit habe ich nicht viel am Hut, und das geht wahrscheinlich den meisten so.

Wenn ich dann mal direkt einem toten Tier in die Augen sehe, wie es so daliegt, um gekauft und verzehrt zu werden, dann habe ich so meine Momente, in denen ich zumindest sympathisiere mit den Vegetariern. Obwohl: Viele von ihnen essen ja trotzdem Fisch.

Diese Knurrhähne hier sehen jedenfalls so dermaßen lebendig aus und auch anklagend irgendwie, dass sie mich doch ein wenig gerührt haben. Und wenn ich bedenke, wie unfassbar reichhaltig das Fischangebot bei verschiedenen Händlern zwischen 16 und 16.30 Uhr heute Nachmittag noch war, dann fürchte ich sogar, dass diese Knurrhähne und mit ihnen viele andere Fische auch noch umsonst gestorben sind.

Immerhin gibt es auch in Wien eine Tafel, von denen habe ich zwei Mitarbeiterinnen dort herumlaufen sehen. „Versorgen statt entsorgen“, stand auf ihren Westen. Für mich würde auch die Botschaft ausreichen, dass die Regale nicht kurz vor Ladenschluss noch bis zum Anschlag gefüllt sein müssen.

Aber wir wollen hier ja nicht politisieren, sondern fotografieren. Das Bild ist eines von vier, fünf Motiven, die es nach 30 Minuten Naschmarkt-Shooting (ich hatte Kaffeepause bei der Fotokonferenz Pixel.Power*, und ich trinke ja keinen Kaffee) in die engere Wahl geschafft haben. Ich habe länger überlegt, weil die Fische eben so vorwurfsvoll gucken und für den einen oder anderen auch ein bisschen eklig sein können, und ich hatte auch ästhetische Gewürze oder lustige Sonnenbrillen, aber dann habe ich mich an die selbstgestellte Aufgabe erinnert: Nimm im Projekt 366 immer nur ein Bild pro Tag, und nimm das stärkste. (Vielleicht zeige ich am Ende des Jahres mal die entfallenen Szenen.)

Die Umwandlung in Schwarzweiß erhöht für mich die dramatische Wirkung, weil man ohne Farben viel härtere Kontraste nehmen kann, auch bei der Vignettierung konnte ich entschlossener vorgehen als bei einem farbigen Motiv. Es liegt ein störender weißer Streifen im Auge des oberen Fisches, aber nur mit dem Trackpad auf dem MacBook bekomme ich den nicht sauber entfernt, da habe ich ihn lieber gelassen, wo er war.

Ansonsten stört mich hier nur die Tatsache, dass ich mein fischiges Gruppenbild ziemlich stark herausvergrößern musste, weil ich mit dem 50-Millimeter-Objektv unterwegs war und die Knurrhähne halt ziemlich weit hinten platziert waren in der Auslage. Das Foto hat jetzt nicht mehr die 5616×3744 Pixel, die es haben könnte, sondern nur noch 3704×2083. Immerhin sind davon noch schöne DIN-A4-Ausdrucke möglich, aber wahrscheinlich hängt sich das Bild ohnehin keiner in die Küche. Dann gibt’s nämlich nur noch Obst und Gemüse.

*P.S.: Bei der Konferenz Pixel.Power haben sechs sehr interessante Fotografen Vorträge gehalten: Robert Pichler, Ronnie Boehm, Christan Anderl, Irene Schaur, Mximlian, Matthias Schwaighofer. Ihre Themen konnten unterschiedlicher nicht sein, es ging vom Playboy-Shooting bis zum Urban Exploring, das hat sich für mich wirklich gelohnt, und ich werbe an dieser Stelle ausdrücklich dafür, sich für die Veranstaltung 2017 anzumelden.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

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