Wie fotografiert man Essen?


Tomate, Mozzarella, Öl, Basilikum, Insalata Caprese
Die Zutaten für Insalata Caprese, Königs Wusterhausen/D ©Stefan Anker

Ich teile hier ja mit großer Freude mein Wissen, aber es gibt Bereiche der Fotografie, in denen ich selbst auch noch Hilfe benötige. Das habe ich heute wieder gemerkt, als ich mich in einem Genre versuchte, in dem ich kaum Erfahrung habe: Foodfotografie. Schuld war meine Frau, weil sie heute Abend etwas ganz Besonderes auftischen wollte.

Unsere ersten eigenen Tomaten waren reif, drei große, eine mittlere und zwei kleine lagen in der Küche. Bevor sie zu Salat verarbeitet werden sollten, wollte ich fotografisch zwei Ziele damit erreichen: Sie sollten schön aussehen, und das Foto sollte einen gewissen Nutzen bieten.

Wenn es um Nutzen geht, denkt man sofort an die sogenannte Stockfotografie –an Bilder also, die bei Agenturen gelistet sind und dort mit Millionen anderen Fotos auf Kundschaft warten. Und die Kunden, die Stockfotos herunterladen, wollen meistens etwas Gestalterisches damit machen, weshalb enge Anschnitte nicht unbedingt gefragt sind. Die Grafiker sollen gern selbst noch ein wenig am Bild herumschneiden dürfen.

Das geht bei meinem Foto jetzt nicht so gut, dafür bietet es etwas anderes, was Grafiker lieben: Textfreiraum. Die große schwarze Fläche in der linken oberen Hälfte des Bildes eignet sich für Überschriften aller Art (wer es nicht abwarten kann, scrollt ans Ende dieses Textes für ein Beispiel), und diesen Umstand darf man gerne mit berücksichtigen, wenn man Stockfotos macht.

Was das angeht, finde ich also mein Foto recht gelungen, auch gefällt mir die Lichtsetzung ganz gut. Neben meiner Standardlichtquelle, einem Aufsteckblitz, der neben dem Motiv steht und gegen die Decke blitzt, habe ich einen zweiten entfesselten Blitz eingesetzt. Er steht schräg rechts hinter der Szene, läuft auf geringster Leistung und trägt eine Wabe, um das Licht am Streuen zu hindern.

So sind die Reflexe und die Lichtkanten an den Tomaten und der Ölflasche entstanden, ohne dass die Schatten zu lang in Richtung des Betrachters zeigen, was oft ein wenig unnatürlich wirkt.

Unsere Küchenarbeitsplatte ist schwarz, und meine Frau hat im Hintergrund eine schwarze Pappe hochgehalten. Dass man die Nahtstelle zwischen beiden Schwarztönen sieht, stört mich nicht, im Gegenteil: Das schafft etwas Tiefe, und außerdem liegt die Naht exakt auf der unteren horizontalen Drittellinie.

Kommen wir nun zu dem, was mich stört: Die Mozzarella-Kugeln und die Basilikumblätter habe ich zu lieblos angeordnet, die Wasserflecken auf dem Brett sind vielleicht eine Spur zu viel Realismus (jedenfalls lenken sie ab), der Reflex auf der Ölflasche ist zu hell (und lässt sich auch in der Bildbearbeitung nicht mehr abdunkeln, ohne dass er seltsam grau wird.

Ich bin zudem nicht sicher, ob dem Bild nicht mehr Tiefenschärfe besser getan hätte – der schwarze Hintergrund allein ist ja verschwommen genug, da hätte man Vordergrund und Ölflasche auch scharf abbilden können – vor allem im Hinblick auf das, was ich da in den Textfreiraum geschrieben habe (am Ende dieses Textes zu sehen).

Hier simuliere ich ja eine Art Speisekarte eines Restaurants, und da will der Gast vielleicht alles scharf sehen – aber wie gesagt, in dieser Frage bin ich unsicher und lese gern sachdienliche Kommentare zu diesem Foto.

Jedenfalls ist Foodfotografie schwierig und braucht vor allem auch Zeit. Die ich heute nicht hatte, denn die Tomaten waren nicht als Fotomodelle geerntet worden. Meine Frau hat Salat daraus zubereitet, den wir dann gegessen haben.

Tomate, Mozzarella, Öl, Basilikum, Insalata Caprese
Die Zutaten für Insalata Caprese und ein Angebot, Königs Wusterhausen/D                    ©Stefan Anker
Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

5 Kommentare zu „Wie fotografiert man Essen?

  1. Lieber Stefan!

    Als bekennender Food-Fotografie-Liebhaber (aber leider auch laienhaftester Anfänger *g*) darf ich meine Gedanken zu deinem Bild äußern.

    Vom Bildaufbau her finde ich es sehr gelungen. Man wird durch die „Schichtung“ der Lebensmittel sehr schön durch das Bild geführt.

    Die Farben harmonieren natürlich wunderbar miteinander – und auch das „Blau“ des Untergrundes fügt sich toll ins Bild ein.

    Wasser auf Tomaten und Oliven verleihen dem Bild trotz der dunklen Farbgebung einen frischen Eindruck.

    Und die Wasserflecken auf dem Holzbrett sind finde ich gut! Sie machen die Szenerie authentisch – wir bereiten Speisen ja nicht steril zu sondern kleckern und patzen auch immer😉
    Ein bisschen „Messie“ ist in der derzeitigen Foodfotografie sogar sehr gern gesehen!

    Die weiße Reflexion auf der Ölflasche stört mich persönlich jetzt gar nicht so enorm (hätte man vielleicht mit einem kleinen Diffusor oder Abschatter, der nur die Flasche abgedeckt, mildern können?).
    Was mich auf den ersten Blick sehr, sehr stört ist – wie du schon geschrieben hast – die minikleine Schärfeebene.
    Ich hätte auf jeden Fall – zusätzlich zu den vorderen Tomaten auch noch Mozarella und Oliven (ev. auch Basilikum noch) in den Schärfebereich mit aufgenommen. Die Ölflasche hätte ich in Unschärfe verschwimmen lassen – die ist nur ein Begleiter und daher nicht so wichtig.

    Sodala, ich hoffe mein Laien-Feedback war ein kleines bisschen hilfreich.

    Liebe Grüße
    Birgit

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    1. Vielen Dank, liebe Birgit.
      Ja, eine Alternative mit mehr Tiefenschärfe hätte ich noch fotografieren sollen – allerdings wäre dann wohl auch die Struktur der Küchenplatte sichtbar geworden, und man hätte erkannt, dass hinten ein Stück Pappe im Bild ist. Will sagen: Die Aufnahme mit mehr Tiefenschärfe hätte einen neuen „Studio“-Aufbau mit einheitlichem Unter- und Hintergrund erfordert, dafür war ich aber wohl zu faul.
      Ansonsten danke für die Infos zum „Messie“-Thema, das wusste ich noch nicht. Und das „Blau“ des Untergrundes ist eigentlich grau (unten) und schwarz (oben) – nur so als Tipp zum Thema Farbmanagement, ich glaube, im Shootcamp hatten wir auch schon mal darüber geschrieben.

      Schönen Gruß

      Stefan

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      1. Interessant Stefan – ich verwende zu Hause einen mit Spyder kalibrierten Monitor – vor dem ich jetzt gerade sitze – und trotzdem hat der Untergrund einen bläulichen Stich…..oder ich bin einfach ein bisschen farbenblind und kann grau nicht 100% von blau unterscheiden….oder es ist blaugrau…… 😀 😀

        Ad Tiefenschärfe: Meinst du, dass wenn du auf den Basilikum fokussiert hättest, du mit entsprechender Blende nicht genau bis zur jetzt scharfen Tomatenreihe scharf gehabt hättest und der Rest des Bildes unscharf gewesen wäre – man also die Struktur der Küchenplatte und den Hintergrund nicht gesehen hätte? Wäre interessant gewesen das rauszufinden 🙂

        LG
        Birgit

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  2. Foodfotografie ist eine Wissenschaft für sich, die ich auch besser ausgelassen habe 🙂 Ich hatte gehofft, du wärest heute am Hockenheimring bei AMG und Linkin Park 😀 Das wäre sicherlich einfacher für dich gewesen …

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    1. Oh ja, die AMG/Linkin-Park-Story habe ich gehört, aber leider war sie für mich nicht vorgesehen. Ich glaube ja, Food ist schwierig wie Akt – aber immerhin kann man mit Tomaten besser üben als mit nackten Menschen, die dann irgendwann ungeduldig werden oder sich erkälten 😉 Ich bleibe dran.

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