Inspiration Berlin


Gleisdreieck-Park, Gleisdreieck, Berlin, Graffitti, Fahrrad, Radfahrer
Gleisdreieck-Park, Berlin/D                    @Stefan Anker

Ich hatte es schon mal angedeutet: Mein Projekt 366 wird am 31. Dezember 2016 beendet sein, und ich werde es 2017 auf keinen Fall fortführen – auch wenn sich einige Menschen gut daran gewöhnt haben, täglich ein neues Foto von mir zu sehen. Aber Abschiede sind wichtig, und mein heutiges Bild hat mir eine sehr gute Inspiration gegeben für ein anderes Projekt, das im nächsten Jahr auf diesem Blog zu finden sein könnte.

Schon heute mache ich in der Regel kein Geheimnis aus der Art, wie ich Bilder mache; ich erzähle in den meisten Blogbeiträgen eine Menge über das Fotografieren und das Bearbeiten. Nächstes Jahr will ich die Transparenz noch erhöhen und meine Leser deutlicher teilhaben lassen an der Entstehung meiner Bilder. Das wird nicht täglich geschehen, aber ich werde mir einige Motive aussuchen, bei denen es sich lohnt, das Herantasten an das endgültige Bild aufzuarbeiten.

Die Inspiration dazu kam mir heute, als ich mit der Kamera im Berliner Gleisdreieck-Park unterwegs war, um Material für einen Foto-Workshop zu sammeln, den ich demnächst geben werde (dazu mehr, wenn die ersten Termine tatsächlich veröffentlicht sind). Ich entdeckte die Torbögen in den Pfeilern einer U-Bahn-Trasse und beschloss, die beiden Bögen in einer möglichst genauen Flucht abzubilden, dazu den Graffitti viel Raum zu geben (dit is Balin!) und auf Radfahrer, Jogger oder ähnliche sich schnell bewegende Menschen zu warten, die dann mit Bewegungsunschärfe in der Mitte des Bildes auftauchen sollten.

Weil ich immer noch so vernarrt bin in mein neues Weitwinkel-Zoom, habe ich die Arbeit mit 35 Millimeter Brennweite begonnen. Es ist damit alles drauf, aber die Menschen zwischen den Torbögen werden natürlich eher klein. Trotzdem habe ich lange so herumprobiert, und weil ich zunächst auch eine knappe Tiefenschärfe im Bild haben wollte, habe ich meine Vollformatkamera dazu benutzt.

Leider schafft sie nur dreieinhalb Bilder pro Sekunde, so dass ich meine fahrenden oder laufenden Motive nie so richtig in die Mitte des Bildes platzieren konnte. Und dann fiel mir auf, dass eine knappe Tiefenschärfe eher kontraproduktiv ist, wenn das Motiv sich schon in Bewegungsunschärfe auflöst.

Der Erkenntnisprozess mündete dann in einen Wechsel der Hardware: Ich nahm meine superschnelle Kamera (zehn Bilder/Sekunde) mit kleinerem APS-C-Sensor, dazu das 70/200-Zoom, und ich erhöhte die Lichtempfindlichkeit (ISO) des Sensors so, dass ich mit engeren Blenden arbeiten konnte.

Trotz 160 mm Brennweite sind jetzt Vorder- und Hintergrund scharf, weil ich erstens  natürlich weiter weg musste vom Motiv, und weil ich zweitens mit Blende 18 fotografiert habe.

In der Bearbeitung musste ich im Wesentlichen am Kontrast arbeiten. Weil das Gegenlicht fast direkt von vorne kam, ist die vordere Mauer eher lasch und flau abgebildet worden, während der Fahrradfahrer eigentlich schon sehr hell und klar wurde.

Ich habe daher das Bild gewissermaßen in zwei Teile aufgeteilt, indem ich einen Radialfilter über den Radler in seinem Torbogen gelegt und ihn zunächst so bearbeitet habe, wie ich ihn haben wollte, danach habe ich mich dann um das Gesamtbild gekümmert.

Hier ist eine Menge passiert, ich habe kurz mit Schwarzweiß experimentiert, aber mich dann doch für die Kombination aus Weißabgleichsverschiebung (Richtung warm/gelb), Kontrasterhöhung und Entsättigung entschieden.

Was mich immer noch ein bisschen stört, ist die Tatsache, dass ich hier eigentlich zwei Motive im Bild habe: Zum einen natürlich den Fahrradfahrer im Torbogen, zum anderen aber auch die dominanten Graffitti auf allen drei Mauern.

Aber sicher kann man auch dazu sagen: Dit is Balin – immer etwas ungekämmt und niemals wirklich dezent.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

2 Kommentare zu „Inspiration Berlin

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