Kunst am Bau


Flughafen, BER, Berlin-Brandenburg, Airport, Tower
Tower des Flughafens BER, Schönefeld/D                    ©Stefan Anker

Man kann das hier künstlerische Fotografie nennen. Oder auch manipulative Fotografie – jedenfalls ist es eine sehr subjektive Herangehensweise an das Thema Berliner Flughafen. Man gebe einfach mal in der Google-Bildersuche die Wörter „Tower“ und „BER“ ein, dann sieht man reihenweise sehr viel freundlichere Fotos. Es stellt sich also die Frage: Warum habe ich so schlechte Laune, was den Tower angeht?

Die Antwort ist wahrscheinlich ziemlich ernüchternd: Ich habe gar keine schlechte Laune. Ich will mit diesem Bild auch nichts sagen. Ich wollte nur mal ausprobieren, ob ich so fotografieren kann. So fast gegen jede Regel (immerhin hat der Tower noch etwas mit dem Goldenen Schnitt zu tun), so düster und so, wie man es oft in moderneren Magazinen sieht  (oder auch im altehrwürdigen „Zeit-Magazin“).

Ich würde sagen: Ja, ich kann so fotografieren, wenn es sein muss; zumindest gibt es da eine Basis, auf der man aufbauen kann, und das ist ja schon mal eine Erkenntnis. Aber ich bin definitiv nicht auf der Suche nach so einem Stil als meinem Markenzeichen. Denn mir liegt weniger an einer künstlerischen Aussage als an dem Umsetzen von Kundenwünschen bzw. dem Begeistern von Kunden mit meinen Fotos (Geld ist auch wichtig, aber wenn die Leute sich freuen, ist das immer viel schöner und unmittelbarer).

Der Anlass, dieses Foto heute so aufzunehmen, ist eine Einladung zu einer Vernissage. Meine Frau kennt eine Kunstfotografin und weiß dank eines Newsletters immer, was die gerade so macht. Momentan hat sie wieder eine Ausstellung fertig, und Freitag ist die Vernissage. Ich überlege noch, ob ich hingehe, obwohl (oder gerade weil) mir ihre Fotos so überhaupt nichts sagen. Gegen ihr Werk hat mein düsteres Bild des Tages noch Struktur und Eleganz, finde ich, aber das kann natürlich auch einem Bildungsdefizit meinerseits geschuldet sein.

Ich meine das ganz ernst: Man darf nicht nur als Kunst akzeptieren, was man sofort versteht. Kunst ist vor allen Dingen Haltung, und die teilt sich dem Betrachter eben  manchmal auf verschlungenen Pfaden mit. Kann also sein, ich mag die Bilder, die ich heute nicht verstehe, in fünf Jahren – der erste Wein hat mir ja auch nicht geschmeckt, und heute halte ich die Entwicklung und Herstellung dieses Getränks für den Nachweis großer menschlicher Kultur.

Ich bin bei allem Wohlwollen gegenüber der Kunst aber auch so konservativ, dass ich in einem Kunstwerk immer auch ein wenig Kunstfertigkeit sehen will. Und auch wenn ich annehme, dass die Fotografin, von der ich hier spreche, gut fotografieren kann (immerhin hat sie studiert) – ich sehe das bislang nicht in den Bildern, die ich von ihr zu sehen bekomme.

Die Frage ist also: Kann sie nicht, oder will sie nicht? Und die Gegenfrage lautet: Bin ich ein Banause?

P.S.: Als Gegenstand der Kunst ist der künftige Berliner Großflughafen (BER) noch nicht so bekannt, eher als Planungsdesaster und Politikum. Der Tower aber arbeitet immerhin schon vier Jahre lang – von dort wird seit 2012 der Flugbetrieb des alten Flughafens Berlin-Schönefeld (SXF) überwacht.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s