Das besondere Schwimmbad


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Hotel Molitor, Paris/F                    ©Stefan Anker

Die meisten Hotels haben ein Schwimmbad, aber hier ist es umgekehrt: Dieses Schwimmbad hat ein Hotel. Wir sehen das berühmte Piscine Molitor im Pariser Stadtteil Auteuil, nicht weniger als eine städtebauliche Sensation aus den 20er-Jahren. Es hat seinen Rang aber nicht nur in der Architekturgeschichte, sondern war auch Schauplatz einer modischen Revolution.

Nachdem hier in den 30er-Jahren schon die ersten Bademodenfotos gemacht worden waren, diente das Piscine Molitor am 5. Juli 1946 als Kulisse für die Weltpremiere des Bikinis. Shocking! Nur eine professionelle Stripperin war mutig genug, dieses unmoralische Kleidungsstück überhaupt anzuziehen.

1989 wurde das Schwimmbad aus bautechnischen Gründen geschlossen, und es entwickelte sich zu einem der berühmtesten Lost Places überhaupt. Die Pariser Street-Art-Szene eroberte das Gebäude, das ein offenes 50-Meter-Becken umgibt und im Inneren ein 33-Meter-Becken unter einem Glasdach beherbergt.

Inzwischen sind neue Graffitti nicht mehr so erwünscht, denn der denkmalgeschützte Komplex ist zu einem Hotel umgebaut worden. Schwimmen dürfen nur noch Hotelgäste und die Mitglieder eines recht exklusiven Klubs – aber dreimal die Woche erhalten hier auch Pariser Schulkinder Schwimmunterricht, das ist eine angenehme Vorstellung.

Ich hatte Glück, dass der Himmel heute morgen bedeckt war – angesichts der Gebäudeform ist das die einzige Chance, ein schattenfreies Bild zu bekommen, schließlich ragen an allen vier Seiten des Beckens Gebäudeteile auf.

Einmal mehr habe ich in der Bildbearbeitung die neue HDR-Funktion (HDR = High Dynamic Range, hoher Dynamikumfang) von Lightroom zum Einsatz gebracht, denn im Original ist natürlich entweder der Himmel zu hell und das Gebäude korrekt belichtet, oder der Himmel hat schön viel Zeichnung, und das Gebäude ist zu dunkel.

Doch als Lightroom die drei Bilder (eines korrekt belichtet, die anderen um je eine bzw. zwei Stufen zu hell oder zu dunkel) zusammengerechnet hatte, ergab sich kaum ein sichtbarer Unterschied zu dem, was die Automatik der Kamera ohnehin geschafft hatte.

Was man hier sieht, ist jedenfalls nicht das Ergebnis der HDR-Funktion, sondern das habe ich mithilfe ganz normaler Bildbearbeitung unter besonderer Berücksichtigung zweier Verlaufsfilter hinbekommen. Einer dieser Filter dunkelt das Bild von oben nach unten ab, um den Himmel herauszuarbeiten, und der andere Filter hellt die Szene von unten nach oben auf, um die Farben von Wasser und Wänden lebendig zu machen.

Vielleicht mache ich etwas falsch bei der HDR-Bearbeitung, vielleicht eignet sie sich aber auch einfach besser für Bilder von kleineren Sensoren mit geringerem Dynamikumfang, also mit weniger Abstufungen zwischen ganz hell und ganz dunkel. Darauf habe ich noch keine Antwort – wer etwas weiß, darf es mich gerne wissen lassen.

Noch ein Hinweis auf die Perspektive: Weil gerade ein persönlicher Schwimmtrainer mit zwei Gästen unterwegs war, durfte ich nicht direkt ans Becken treten und konnte das Bild nicht symmetrisch ausrichten. Weil ich also schräg von der Seite fotografieren musste, habe ich gleich die Kamera ein wenig schräg gehalten, um den Weitwinkeleffekt noch ein bisschen mehr zu betonen. Dennoch versuche ich in der Regel, spätestens bei der Bildbearbeitung darauf zu achten, dass wenigstens eine Stelle des Bildes ganz gerade ist. Hier ist es eine Linie am Grund des Beckens, man sieht sie ganz dicht über dem unteren Bildrand. Sie ist mir tatsächlich beim Fotografieren nicht aufgefallen, aber am Ende war ich froh, sie zu haben. Als ich nämlich die Balkongeländer der gegenüberliegenden Gebäudeseite horizontal ausrichtete, sah das Bild deutlich verzerrter aus.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

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