Seltsame Inspiration


Baum, Biotop, Naturschutz
Baum unter Naturschutz, Königs Wusterhausen/D                    ©Stefan Anker

Man sieht es diesem Foto nicht unbedingt an, aber ich habe heute Holz gehackt. Und diese heimwerkerische Beschäftigung hat mich tatsächlich zu genau diesem Bild inspiriert. Denn sowohl das Hacken wie auch das Drehen der Kamera für dieses Foto haben etwas gemeinsam.

Es ist der Zusammenhang aus Radius und Geschwindigkeit. Wenn ich die Axt am Ende des Stiels anfasse, über den Kopf hebe und aufs Holz niedergehen lasse, dann bewegen sich  Hände und Klinge innerhalb eines Kreises, nur dass die Klinge auf dem äußeren Rand des Kreises unterwegs ist, darum einen längeren Weg zum Ziel zurückzulegen hat, aber gleichzeitig mit den Händen ankommen muss. Ergo bewegt sie sich deutlich schneller durch die Luft als meine Hände. (Dafür gibt es sicher auch eine Formel, aber ich habe jetzt keine Zeit, sie zu suchen.)

Sehen wir uns mein Bild hier an, dann wird hoffentlich die kreisförmige Bewegungsunschärfe deutlich. Sie entsteht, wenn man etwas länger belichtet und die Kamera dabei zügig dreht – als hätte man ein Lenkrad in der Hand. Der Trick an dieser Aufnahmetechnik ist, dass man die Mitte des Bildes möglichst frei von Bewegungsunschärfe hält, weil sich beim Drehen der Kamera (und damit des Sensors) die Sensorpixel in der Mitte deutlich langsamer bewegen als die am Bildrand.

Man braucht dazu also eine Art Motiv, irgend etwas Wichtiges im Bild, das man exakt in die Mitte des Ausschnitts bringt und mit dem zentralen Autofokuspunkt anvisiert. Und dann muss man versuchen, die Kamera beim Drehen nicht von diesem Motiv wegzureißen.

Das kostet einige Versuche, und wenn es dann endlich gelingt, kann man sich an die Anpassung der Belichtungszeit machen. Wer zu lang belichtet, also länger als 1/15 Sekunde, hat kaum die Chance, die Bildmitte scharf zu bekommen, ich habe mit 1/40 bis 1/60 Sekunde experimentiert, das beste Ergebnis hatte ich mit 1/40 Sekunde.

Es hängt natürlich nicht nur von der Exaktheit der Drehbewegung ab, sondern auch von deren Tempo, ob so ein Bild gelingt oder nicht. Ob es so richtig super-knackscharf in der Mitte werden kann, weiß ich nicht. Denn nach ca. 40 Auslösungen musste ich aufhören – nicht dass mir die Kamera grundsätzlich zu schwer wäre für solche Übungen, ich mag es ja klassisch mit viel Metall und Glas. Aber Schultern und Unterarme waren noch ein wenig schwer vom Holzhacken am Vormittag.

Ich würde allerdings sagen, bei so einem Foto, in dem erkennbar viel Bewegung ist, kann man auch nach dem lässigen Grundsatz „fair enough“ (gut genug) verfahren. Ich habe das Foto mal spaßeshalber in 10×15 cm ausgedruckt, da ist es sogar perfekt.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

Ein Kommentar zu „Seltsame Inspiration

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s