Beste Lage


Villa, Berlin, Grunewald, Charlottenburg-Wilmersdorf, Johannaplatz
Villa am Johannaplatz, Berlin/D                    ©Stefan Anker

Heute war ich in einer ziemlich guten Gegend – vornehmes altes Westberlin, Villenviertel Grunewald, nicht weit vom Kurfürstendamm. Ich habe da eine wunderbare Imageberaterin fotografiert, damit sie neue und gute Bilder für ihren neuen (und ebenfalls sehr guten) Internetauftritt bekommt, und danach musste ich einfach noch eine von diesen unglaublichen Villen ablichten. Weil die, die ich letztlich gefunden habe (am Johannaplatz) bei Google Street View nur verpixelt zu sehen ist, habe ich mir kurz die Frage gestellt, ob ich das Haus, das nicht meines ist, überhaupt fotografieren durfte.

Oh ja, das durfte ich, jeder darf das,  und man soll sich auch nicht beirren lassen, wenn Bewohner des Hauses meckern deswegen. Selbst wenn nicht jeder die Vorschrift über die Panoramafreiheit aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch parat hat, sollte es doch einsichtig sein, was damit gemeint ist: Was man beim Flanieren über öffentliche Straßen sehen kann, das darf man auch fotografieren. Und man darf das Bild dann sogar kommerziell nutzen (das ist wichtig, denn mein Blog ist kein Spaß).

Ausnahmen gibt es auch, die betreffen militärische Anlagen und solche Sachen. Außerdem darf man zum Fotografieren nicht das Grundstück der Villa betreten und keine Hilfsmittel benutzen, also etwa nicht auf Leitern oder Bäume klettern, um das Haus besser sehen zu können. Aber der Blick eines Menschen vom Bürgersteig aus auf ein Haus kann ja schlechterdings nicht illegal sein – und dann ist es auch okay, wenn man diesen Blick mit der Kamera festhält.

Der Hausbesitzer oder Mieter kann sich dagegen nur mit Gewalt wehren (ist verboten, aber mit einem Schlägertrupp lässt sich schlecht diskutieren, und man läuft besser weg) oder indem er permanent vor seinem Haus hin und her läuft – wegen seines Rechtes am eigenen Bild muss man nun fragen, ob man fotografieren darf und erntet dann wohl ein „Nein“.

Ich gebe zu, das sind unwahrscheinliche Szenarien, aber ich wollte sie mal erwähnt haben. Blöd ist es auch, wenn jemand zu doof ist, um die Sache mit der Panoramafreiheit zu verstehen. Ich erinnere mich an einen Fernsehbeitrag vom Marktplatz irgendeiner Kleinstadt, in dem ein aufgebrachter Bürger das Kamerateam am Drehen hindern wollte und immer wieder einen Satz schrie: „Das ist öffentlicher Grund! Das ist öffentlicher Grund!“

Ja, genau, hätte man da sagen müssen, haben die Fernsehleute vielleicht auch getan, aber die entsprechende Gehirnwindung bei dem Mann war gerade verstopft. In einem solchen Fall kommt man am besten später wieder, falls möglich, um die Sache nicht eskalieren zu lassen.

Ich selbst bin beim Fotografieren heute auch aufgefallen. Ein älteres Ehepaar starrte zuerst intensiv zu mir herüber (man merkt es irgendwie, wenn sich Blicke in den Rücken bohren, oder?), und als es nach einer Runde um den Platz direkt an mir vorbeikam und sah, wie ich da immer noch so konspirativ hinter dem Baum saß (Vordergrund macht Bild gesund), sprach mich die Frau auch an. Was ich da mache? Bilder für ein Ratespiel?

Ja, die Leute haben Sorgen. Nein, ich brauchte nur ein schönes Bild für mein Blog, ich wollte außerdem so ein schönes Haus mal in eine schöne Szene einbetten, und ich habe mir zum wiederholten Mal gedacht, dass ich vielleicht mit der neuen HDR-Funktion von Lightroom so ein Motiv mit vielen dunklen und sehr hellen Stellen verbessern könnte.

Aber auch wenn meine neue Kamera standardmäßig eine Belichtungsreihe mit fünf statt nur drei unterschiedlichen Einstellungen macht, sieht das HDR am Ende kaum anders aus als die Standardbelichtung. Wenn das Bild jetzt kontrastreich und farbstark erscheint, liegt das jedenfalls nicht an dem HDR-Verfahren, sondern an der restlichen Bildbearbeitung.

Wie üblich habe ich mit Kontrastanhebung, Sättigung einzelner Farbtöne (rot und blau) sowie der Entsättigung der ganzen Szene gearbeitet und auch einen Radialfilter um die weiße Villa gelegt, um sie etwas abzudunkeln und sie so besser vom ebenfalls weißen Himmel abzuheben.

Letztlich ist Fotografie immer auch Arbeit. Aber wenigstens eine, die Spaß macht.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

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