Traumauto für kleines Geld


Briefmarke, 70 Cent, Ford Capri, Oldtimer
70-Cent-Briefmarke, Königs Wusterhausen/D                    ©Stefan Anker

Ich gebe es zu: In letzter Zeit habe ich mich für Briefmarken interessiert. Wahrscheinlich werde ich alt, denn auch der Grund für dieses Interesse hat mit meinem Status als Mitglied der Generation 50 plus zu tun: Seit einiger Zeit gibt es Marken, die klassische deutsche Autos zeigen, so wie den 1969er Ford Capri auf diesem Foto. Und da Autos ja einen roten Faden in meinem Leben bilden, habe ich mir diese Marken mal genauer angesehen, nicht nur mit dem Makro-Objektiv.

Neben dem Capri ist 2016 auch der Porsche 911 Targa von 1967 erschienen, beide gibt es für je 70 Cent, dazu kommen noch zwei Marken aus 2015 für je 1,45 Euro: Sie zeigen einerseits den Mercedes 220 S von 1959 und andererseits den BMW 507 von 1957. Weiter soll der Satz mit klassischen Automobilen aber nicht wachsen. Schade eigentlich.

Jedenfalls habe ich durch diese Auto-Marken wieder entdeckt, was es für eine interessante grafische Leistung ist, Briefmarken zu gestalten. Immerhin müssen die Designer auf sehr kleinem Raum ein Motiv so gestalten, dass man es noch gut erkennen kann. Bei so charakteristischen Formen, wie sie die Autoklassiker haben, mag das noch  nicht so schwierig sein, aber es erscheinen pro Jahr 50 bis 60 neue Marken, und da geht es auch schon mal abstrakter oder unübersichtlicher zu.

Ohne Lupe kann der Sammler nicht alle Finessen jeder Marke genießen, und was dem Philatelisten das Vergrößerungsglas ist, das ist dem Fotografen das Makro-Objektiv. Meiner Capri-Marke bin ich sehr, sehr dicht auf den Leib gerückt – zwar wäre ich noch dichter herangekommen (bis auf 30 Zentimeter), aber dann wäre nicht mehr die ganze Marke auf dem Bild gewesen.

Wie auch immer: Der Unterschied zwischen einem Makro und einem Weitwinkel, das sich dem Motiv ähnlich stark nähern kann, sind Brennweite und Abbildungsmaßstab. So weit ich weiß, hat ein Makroobjektiv mindestens 60 Millimeter Brennweite, meines hat 100, es gibt auch welche mit 160 und 180 Millimetern (für Leute, die gern scheue Insekten fotografieren). Und während die Naheinstellgrenze mit zunehmender Brennweite gewöhnlich ansteigt, stellen Makro-Objektive auch in dichter Entfernung zum Motiv noch scharf.

Darum erreichen sie dann auch einen Abbildungsmaßstab von 1:1, was bedeutet, dass der Kamerasensor das Motiv in Originalgröße erfassen kann. Ich kann also so nah herangehen, dass meine Briefmarke (ohne das linke Randstück 26×45 mm groß) die Dimensionen des Suchers wie des Sensors (24×36 mm) überschreitet, aber immer noch scharf abgebildet wird.

Stellen wir uns eine Briefmarke genau im Sensorformat vor (und stellen wir uns ebenfalls vor, ich könnte sie exakt in den Bildausschnitt bekommen), dann könnte ich sie nach dem Fotografieren in der Größe ausdrucken, die die Auflösung meines Sensors hergibt, aktuell wäre das jenseits von DIN A2. Genau das ist Makro: Kleine Dinge riesengroß machen.

Auf manchen Standard-Zoomobjektiven kann man auch den „Macro“-Schriftzug lesen, oft steht dann aber ehrlicherweise noch der Wert „1:4“ dabei. Und der bedeutet, dass ein Objekt vier Mal größer sein muss als der Sensor (also nicht nur 24×36, sondern 96×144 mm), um es formatfüllend aufnehmen zu können. Wenn die Naheinstellgrenze einem da keinen Strich durch die Rechnung macht, ist das völlig okay – auch eine Scheibe Vollkornbrot in DIN A2 kann schließlich ganz beeindruckend aussehen.

Sollte ich persönlich noch einmal eine Briefmarke fotografieren wollen, muss ich allerdings eine Lösung finden für das Problem der dritten Ebene. Es geht darum, die Kamera nicht nur horizontal und vertikal auszurichten, was man mit einer Wasserwaage im Blitzschuh (oder am Stativ) einigermaßen hinbekommt. Für die dritte Ebene aber wird es schwierig: Wie richtet man den Sensor genau parallel zur Briefmarke aus?

Wahrscheinlich gibt es da sündhaft teure Gerätschaften aus der Repro-Fotografie, aber wenn jemand eine Idee hat, wie ein normaler Fotograf so etwas ohne Großinvestition hinbekommt, bin ich für einen Tipp dankbar.

Heute hat es zwar einigermaßen geklappt, sogar ohne Stativ. Aber das war einfach Glück, und darauf darf man sich nicht immer verlassen.

P.S.: Meine geliebten Bildbearbeitungsschritte mit Kontrast, Sättigung und Farbregelung – heute musste ich mich da sehr zurückhalten. Denn das Bild der Marke sollte möglichst so aussehen wie das Original. Ich habe also die Briefmarke immer mal wieder an den Monitor gehalten, fast alle Regler Richtung Nullpunkt gefahren und nur mit Weißabgleich (kühler/blauer) und Helligkeit (mehr) gearbeitet, bis ich die Übereinstimmung hatte.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

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