Deutscher geht’s nicht


Brandenburger Tor, Berlin, Nacht
Brandenburger Tor, Berlin/D                    ©Stefan Anker

1,20 Euro Parkgebühr verschaffen einem in der Gegend um das Brandenburger Tor ca. 40 Minuten Zeit. Man muss sich also die Motive, die man vom Symbol der deutschen Einheit macht, genau überlegen, bei mir hat es für vier Stück gereicht, und am Ende habe ich das gewöhnlichste von ihnen gewählt. Warum? Weil ich damit zeigen kann, wie man ein gängiges fotografisches Problem löst.

Dinge, die breit sind, machen allen Fotografen Kummer, sofern sie sich nicht für eine Panorama-Aufnahme entschieden. Ich mache das nie, weil der Bildschirm noch nicht erfunden ist, auf dem man ein superbreites Bild überzeugend anzeigen könnte. Und die Sonderformate beim Drucken sind mir zu teuer. Außerdem bin ich ja konservativ, und ich mag auch die Einschränkungen, die feste Formate mit sich bringen. Man muss sich dann nämlich mehr Gedanken über den Bildaufbau machen.

Also: Breite verlangt besonderes Achtgeben auf die Tiefe. Irgendetwas muss man mit dem Rest des Bildes machen, wenn man so ein sehr queres Ensemble wie das Brandenburger Tor mit den beiden Torhäusern und den angrenzenden Gebäuden als Motiv wählt.

Tagsüber könnte man die Kamera so kippen, dass die Gebäude ganz unten am Bildrand aufsitzen und man oben einen dramatischen Wolkenhimmel im Bild hat (wenn er denn wirklich dramatisch ist). Oder man stellt eine Person auf die Straße vor dem Tor – dann muss es aber schnell gehen, das ist nicht ungefährlich. Besser stellt man den Menschen da hin, wo ich fotografiert habe, nämlich auf eine Verkehrsinsel, und dann sucht man eine Perspektive, die Mensch und Bauwerk in ein harmonisches Verhältnis setzt. Kostet ein bisschen Mühe, aber es geht darum, der grauen Asphaltfläche vor dem Tor ihren Langeweile-Schrecken zu nehmen.

Oder man wartet auf den Abend, hat ein Stativ dabei und hofft auf möglichst elegante Lichtspuren der vorbeifahrenden Autos. Zu dem Bild, was ich hier gemacht habe, gibt es noch die Alternative, dass man rote Rücklichterspuren aufnimmt, die sich von rechts unten nach links oben bewegen. Aber der eine Versuch, den ich machen konnte, ist nicht so gut gelungen.

Und mehr ging nicht, denn inzwischen war der Parkschein abgelaufen.

Hm, vielleicht muss ich hier doch mal eine Ironie-Warnung nachschieben: Ein abgelaufener Parkschein, der vielleicht zehn Euro Bußgeld kostet, sollte natürlich niemanden von einem guten Foto abhalten. Es war nur so, dass heute Abend kaum jemand links abbiegen wollte, als ich da war. Und dann hatte ich irgendwann keine Lust mehr zu warten, das kommt halt auch mal vor.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

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