Das Wunder von Wandlitz


Parkscheinautomat, Parkplatz, Auto, Parkgebühr
Parkscheinautomat, Wandlitz/D                    ©Stefan Anker

Hm, ja, das ist wieder so eine Überschrift, unter der viele wohl etwas anderes erwarten. Aber sie ist nicht falsch, denn was ich heute in diesem Städtchen in Brandenburg gesehen habe, kommt tatsächlich einem Wunder gleich: Eine Kommune verzichtet auf Parkgebühren. Angesichts der Dobrindt’schen Maut-Pläne kann man das nicht hoch genug einschätzen. Und jetzt erzähle ich, wieso ich heute ausgerechnet in Wandlitz war.

Für die Jüngeren sollte ich vielleicht noch zusätzlich erklären, warum ich dem Namen dieser Ortschaft so viel Bedeutung beimesse. Um es kurz zu machen: Fragt ältere Verwandte nach Erich Honecker – der hat da gewohnt, mit all seinen Kumpels.

Ich war aber nicht auf den Spuren von Honecker unterwegs (es gibt da ein Museum, soweit ich weiß), sondern weil ich nächsten Freitag in Wandlitz eine Hochzeit fotografiere. Also habe ich beim Standesamt angerufen, mir das Trauzimmer zeigen lassen, und die Beamtin war auch noch so nett, mich auf den Wandlitzsee gegenüber hinzuweisen, dort würden immer sehr schöne Fotos gemacht.

Ich habe mir dort und am nahen Bahnhof drei, vier Fotopunkte gesucht, die sich in winterlicher Mittagssonne gut für ein Brautpaarshooting eignen, ein paar Probeaufnahmen gemacht und dann festgestellt: Das Schlimmste wird die Kälte sein, jedenfalls für die Braut.

Daher werde ich in unserem letzten Telefonat vor dem großen Tag folgende Strategie vorschlagen: Das Brautpaar nimmt Wintermäntel mit. Dann richten wir in Ruhe Belichtung und Pose ein, während die beiden die Mäntel tragen. Und wenn alles stimmt, legen sie ab (oh, wir brauchen einen Wintermantel-Assistenten), und wir fotografieren eine, maximal zwei Minuten und tun so, als wäre Sommer.

Das müsste eigentlich klappen in Wandlitz, denn im Standesamt dort sind sie sehr nett, und im Ordnungsamt haben sie sogar Humor.

P.S.: Ach, machen wir doch noch ein bisschen Fototechnik. Das Auto, was man auf dem Foto sieht, ist meines, und Experten können vielleicht sogar den Typ erkennen. Das war mir wichtig, aber nicht aus Eitelkeit, sondern weil ich natürlich anfangs bei diesem Foto auch den Fehler gemacht habe, mit offener Blende zu arbeiten. Ergebnis: Der Parkscheinautomat mit seinem lustigen Zettel knackscharf, der Rest ein einziger Brei. Man braucht aber Kontext. Zwar ist es logisch, dass der Parkscheinautomat an einem Parkplatz steht, aber man muss das auch sehen können. Also habe ich abgeblendet, weiter und immer weiter, damit die Tiefenschärfe zunimmt. Ganz scharf bekommt man das Auto nie, wenn man mit knapp 200 Millimeter Brennweite fotografiert und die Schärfe-Ebene sehr nah an der Kamera liegt. Aber ganz scharf muss es auch nicht werden, nur erkennbar soll es sein. Das war bei Blende elf erreicht, und dann habe ich zur Sicherheit noch zwei Drittel-Blendenstufen zugegeben und bin bei Blende 14 herausgekommen. Jetzt sieht man, dass es ein Kombi ist, man kann vorn und hinten unterscheiden, sogar die Zahl der Felgenspeichen lässt sich ermitteln. Trotzdem wird man nicht ohne Mühe feststellen können, um welches Auto genau es sich handelt. Und das nenne ich kontrollierte Unschärfe – sie ist in vielen Fällen der durchgehenden Tiefenschärfe ebenso vorzuziehen wie der kompletten Unschärfe bei ganz geöffneter Blende. 

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

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