Eine Frage der Proportion


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Boeing 747 am Gate, Frankfurt/D                    ©Stefan Anker

Okay, wer weiß jetzt nicht, was für ein Flugzeug das ist? Ich denke, man muss weder auf die Bildunterschrift schauen, noch Luftfahrt-Enthusiast sein, um eine Boeing 747 (vulgo: Jumbo-Jet) auf Anhieb zu erkennen. Diese Maschine ist ein Symbol für unseren mobilen Lebensstil, und wer in den vergangenen 50 Jahren nicht in der Höhle gelebt hat, der hat schon mal irgendwo eine 747 gesehen – und sei es auf einem Foto. Weil dieses Flugzeug so bekannt ist, habe ich mir bei meinem Bild einen besonderen Gestaltungstrick erlaubt.

Man kann das auch bei Porträts von Menschen machen: Nicht alles zeigen, Informationen weglassen. Aber das Wichtige eben doch im Bild festhalten. Wieder mal habe ich mich hier inspirieren lassen von einem Foto, das ich in einem Buch gesehen habe. Es zeigt einen Mann in Texas, aber es zeigt nicht sein Gesicht, sondern nur den Bereich zwischen Bauchnabel und Oberschenkel. Trotzdem sieht man, was den Mann ausmacht, nämlich das Messer am Gürtel und die Pistole im Hosenbund. Wer es selbst sehen will, klicke auf diesen Link und arbeite sich bis zum siebten Foto der hier erscheinenden Galerie des amerikanischen Reportagefotografen Zed Nelson vor.

Natürlich ist mein Boeing-Bild nicht halb so dramatisch oder bedeutend, aber es zeigt genau, was dieses Flugzeug ausmacht: nämlich den Buckel, der auf etwa einem Drittel der Flugzeuglänge das Oberdeck beherbergt. Natürlich sieht man das hier nicht direkt, das wäre nur im Profil oder Halbprofil möglich, aber die Cockpitfenster liegen so weit weg von der Nase des Flugzeugs, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Jet handeln kann. Die Piloten sitzen oben im Jumbo, und das gibt es sonst nirgends, nicht einmal im durchgängig zweistöckigen Airbus A380 – dort wird im Erdgeschoss geflogen.

Durch seine Höhe wirkt ein Jumbo schmal statt rund, auch das zeichnet ihn aus. Diese charakteristische Proportion kommt umso stärker zur Geltung, wenn man die Tragflächen weglässt bei der Auswahl des Bildausschnitts. Und natürlich schadet es nicht, wenn  man dieses Foto im Hochformat aufnimmt.

Später in der Bildbearbeitung habe ich auch einen quadratischen Beschnitt ausprobiert, aber darin schien sich das Flugzeug richtiggehend unwohl zu fühlen – es quetschte sich in meinen Augen zu dicht an alle Bildränder, und das sah dann nicht mehr gut aus.

Für die Umwandlung in Schwarzweiß gab es zwei Gründe. Erstens hat mir die Frankfurter Flughafengesellschaft natürlich keinen Kranwagen für ein schönes Jumbo-Porträt zur Verfügung gestellt, sondern dies ist ein Touristenfoto durch die Scheibe. Zwar war das Fenster gut geputzt, aber das Glas hat irgendetwas mit der Farbtemperatur der Szene gemacht, ich habe das mit dem Weißabgleich-Regler nicht zufriedenstellend korrigiert bekommen. In Schwarzweiß spielt ein falscher Weißabgleich aber keine Rolle.

Außerdem kann man in Schwarzweiß mit härteren Kontrasten arbeiten, was die coole Sonnenbrillen-Optik der Cockpitscheiben verstärkt, und was natürlich einen Drama-Baby-Himmel ermöglicht. Um den zu erzeugen, habe ich zusätzlich einen Verlaufsfilter von oben nach unten gezogen und darin das Bild weiter abgedunkelt, seinen Kontrast erhöht und ein wenig mit dem Dunstfilter gespielt – der dunkelt noch einmal kräftig nach.

Eigentlich war es ein ganz normaler Frühlingsnachmittag, und wie so oft bin ich hier von der naturgetreuen Dokumentation abgewichen, sondern habe mithilfe des Bildformats, des Bildausschnitts und der Bildbearbeitung ein wenig inszeniert.

Und ich finde ja, ich darf das.

P.S.: Ich bin übrigens nicht in dieses Flugzeug eingestiegen. Sondern brav nach Berlin zurückgeflogen.

 

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