Ruhe vor dem Sturm


Rennen, Startaufstellung, 24-Stunden-Rennen, Nürburgring
Startaufstellung zum 24-Stunden-Rennen, Nürburg/D                    ©Stefan Anker

Totales Chaos am Nürburgring. Nicht mal eine Stunde nach dem Start des 24-Stunden-Rennens kamen solche Hagelschauer vom Himmel, dass es reihenweise Unfälle gab und später eine ganze Gruppe von Rennwagen nicht mehr den Anstieg aus der Fuchsröhre schaffte – auf ihren profillosen Reifen hatten sie einfach nicht mehr genug Grip und standen hilflos herum. Das Rennen wurde dann unterbrochen. Was meine geplante Fotoreportage allerdings nicht beeinträchtigt. Im Gegenteil.

Nach dem Schwenken der roten Flagge bin ich mit der Kamera in die Boxengasse geeilt, um bei den Reparaturarbeiten möglichst nah dran zu sein. Auch für die Nacht verspreche ich mir einige gute Fotos, weil das Rennen, das nach gut zwei Stunden Pause  gleich als Regenrennen neu gestartet wird, sicher noch einige kritische Situationen erleben wird.

Das Bild, das ich hier zeige, kommt noch nicht aus der kritischen Phase, sondern es zeigt die Startaufstellung, kurz bevor die Einführungsrunde beginnt. Auch hier ist es hektisch, denn Motorsport ist pünktlich, muss pünktlich sein, und wir Medienvertreter, zu erkennen an den lila Leibchen, gehen ungern zu früh irgendwo weg. Also werden die Streckenposten immer zickiger, und der mit der schlechtesten Laune ist der Mann, der sich links unscharf in den Vordergrund schiebt.

Ich wollte das genauso haben, ich habe sogar auf ihn gewartet und dann erst abgedrückt. Reportagefotografie lebt für mich auch von unübersichtlichen Situationen, Bewegung im Bild, unscharfen und verwischten Menschen oder Gegenständen im Vordergreund. Man soll wissen, wo man ist, und man soll erkennen, dass etwas los ist.

In der Boxengasse fotografiere ich die Situationen fast immer mit  24 Millimeter Brennweite und gehe dabei extra dicht heran, um einen Mittendrin-Eindruck zu erzeugen. Ein solches Bild sollte sich nach Mitternacht noch schießen lassen, und dann wird es morgen mein Foto des Tages.

Dieses Foto hier ist auch dicht am Geschehen, durfte aber nicht zu weitwinklig werden, weil sonst  die Tribüne der Mercedes-Arena nicht so nah herangerückt wäre. So wie es jetzt ist (mit 70 Millimeter), gibt die Tribüne der Szene Halt, Abschluss und Erkennbarkeit. Auch wenn nicht jeder an diesem Gebäudeteil den Nürburgring erkennt, so untermauert die Tribüne doch den Rennstrecken-Eindruck.

Stellt sich nur noch die Frage nach dem Motiv. Ist es die Tribüne? Ist es der zornige Ordner im Vordergrund? Ist es der Mann mit den Ohrenschützern in der Bildmitte, der direkt in die Kamera schaut? Nichts von allem. Das Motiv ist hier die gesamte Szene, und solche Aufnahmen sind wichtig, wenn man eine Fotoreportage aus 20, 30 oder noch mehr Bildern plant.

Dafür braucht man nämlich alles: Details, Porträts, Übersichten,  und eben solche Aufnahmen, die wie beiläufig scheinen. Nur dass sie eben doch mit Absicht gemacht werden.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

 

 

2 Kommentare zu „Ruhe vor dem Sturm

  1. Hallo Stefan, thats racing. Hab das auch mal gedreht fürs Fernsehen, aber Fotos immer wieder geiler!!! Hätte gedacht, du wärst in Monaco! Da möchte ich spätestens zum 60. hin!!! Lg. aus Zeuthen in die Eifel .

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