That’s racing


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Ford Escort mit leichten Blessuren, Nürburg/D                    ©Stefan Anker

Das wird ein gutes Wochenende. Ich bin heute am Nürburgring eingetroffen, um einen der schönsten Termine des Jahres zu machen: Das 24-Stunden-Rennen. Start ist morgen (28.5.2016) um 15.30 Uhr, vorher gibt es aber auch einige Rennen im Rahmenprogramm zu sehen – der lädierte Ford Escort hier hat am dreistündigen 24h-Classic-Rennen teilgenommen. Für mich war das die Gelegenheit, eine wichtige Fototechnik zu trainieren.

Der Mitzieher ist gemeint, eine der Methoden, auf dem Foto Bewegung darzustellen. Man braucht dazu außer einer schnellen Kamera vor allem Geduld und ein Gefühl für Geschwindigkeit.

Am besten sucht man sich eine Stelle, an der die Autos weder bremsen noch beschleunigen, sondern mit gleichmäßigem Tempo dahinsausen. Dann visiert man sie rechtzeitig an, aktiviert den Autofokuspunkt und zieht die Kamera mit dem Auto mit, ohne dass das Auto aus dem Sucher verschwindet. Ist es am Ende vorn abgeschnitten, war man zu langsam beim Mitdrehen des Oberkörpers, und wenn das Heck angeschnitten ist, war man zu schnell.

Die Ausschussquote beim Mitziehen ist recht hoch, das geht auch Leuten so, die schon jahrelang fahrende Autos fotografieren, man darf sich davon nicht entmutigen lassen. Eine schnelle Kamera (meine macht zehn Bilder pro Sekunde) senkt die Ausschussquote nicht, aber erhöht die Trefferchancen pro Vorbeifahrt – man muss dann nicht so viele weitere Durchfahrten desselben Autos abwarten und ist schneller mit der Arbeit fertig.

Ich habe für mein heutiges Foto des Tages nur etwa 15 Minuten an der Rennstrecke gestanden, dabei 340 Bilder gemacht, und immerhin 41 sind so geworden, wie Mitzieher werden müssen: von vorn bis hinten knackscharfes Auto bis in die Beschriftungen, aber verwischter Hintergrund und – ganz wichtig – verwischte, also drehende Räder.

Um das zu erreichen, nehme ich als Belichtungszeit den Kehrwert der Geschwindigkeit. Da ich mit den Rennfahrern vorher nicht sprechen kann, muss ich das Tempo schätzen. Hier habe ich um 150 km/h angenommen und die meisten Bilder mit 1/125 und 1/160 Sekunde aufgenommen, das hat gut gepasst.

Wer Mitzieher nicht beim Rennen macht, sondern im normalen Straßenverkehr, der sollte den Fahrer bitten, möglichst exakt Tempo 50 oder (auf der Landstraße) Tempo 80 zu halten und dann mit 1/50 bzw. 1/80 Sekunde fotografieren. Die Kamera muss sich dazu natürlich im Modus Blendenautomatik befinden. Und selbst wenn sie bei strahlendem Sonnenschein dann eine kleine Blende (11, 16, 22) wählt, ist das kein Problem – der Hintergrund wird ja durchs Verwischen unscharf genug, um das Auto schön freigestellt abzubilden.

Bleibt noch die Frage: Autofokus oder nicht. Dazu gibt es zwei Denkschulen unter Autofotografen. Die einen stellen vor der Aufnahme auf einen Punkt der Straße scharf, an dem das Auto auf jeden Fall vorbeikommt und schalten dann den Autofokus ab. Selbst wenn der Wagen mal einen Meter weiter weg von der Kamera (oder dichter dran) vorbeifährt, macht das nichts. Die große Tiefenschärfe durch die oft recht kleine Blende gleicht das wieder aus.

Der Vorteil dieses Verfahrens: Auch wenn beim Mitziehen mal der Autofokuspunkt vom Auto rutscht, misst die Kamera nicht irgendwo im Hintergrund herum, sondern bleibt auf der festgelegten Entfernung. Der Nachteil: Wenn es dunkler wird und die Blende sich öffnet, sitzt eventuell die Schärfe nicht mehr – genauso ist es, wenn der Fahrer mal eine ganz andere Linie fährt als vorgesehen.

Andere Fotografen (ich auch) lassen den Autofokus aktiv und stellen ihn auf automatische Motivverfolgung (die Bezeichnung hat meistens etwas mit Servo oder Continuous zu tun). Der Vorteil dieses Verfahrens: Der Autofokus verfolgt das Auto und stellt immer wieder die richtige Schärfe ein. Der Nachteil: Wenn man mit dem gewählten Autofokuspunkt vom Auto abrutscht, dann misst die Kamera irgend etwas, aber nicht das Auto. Und: Der Vorteil ist oft nur ein theoretischer, weil der Autofokusmotor des Objektivs nicht immer so zuverlässig umsetzen kann, was die Kamera ihm befiehlt. Einfach gesagt: Nicht jeder Stellmotor kann immer so schnell folgen, deswegen werden manche Bilder unscharf, obwohl sie vielleicht vom Mitziehen her gut gewesen wären, weil Auto- und Kamerageschwindigkeit deckungsgleich waren.

Puh, kompliziert, oder? Am besten, man stellt die Kamera mal mit und mal ohne Autofokus ein und übt. Und übt und übt und übt.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

 

 

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