Noch immer Sommer


Sonnenblume, Gegenlicht, Sommer, gelb
Sonnenblume im Gegenlicht, Berlin/D                    ©Stefan Anker

Viele Deutsche schimpfen über den Sommer dieses Jahr – ich muss sagen, in Berlin und Brandenburg ist er traumhaft, und als wir drei Wochen in Dänemark im Urlaub waren, da war das Wetter ebenso ausdauernd sonnig. Aber daran liegt es nicht, dass ich heute eine Sonnenblume zu meinem Foto des Tages erkoren habe. Ganz im Gegenteil: Dieses Bild ist aus einem schnöden technischen Grund entstanden.

Ich habe mir ein neues Objektiv gekauft, und das musste ausprobiert werden. Um Technik geht es ja hier nicht so oft, und ich will das auch jetzt nicht überstrapazieren. Aber man sieht vielleicht an dem nahezu komplett verschwommenen Hintergrund, dass die Linse, die ich hier verwendet habe, sehr lichtstark ist – also eine Blende hat, die sich weit öffnen lässt.

Vielleicht wird die Foto-Mode noch einmal eine andere, aber heutzutage ist das ja total en vogue, Bilder mit sehr knapper Tiefenschärfe zu schießen. Voraussetzungen dafür sind neben der offenen Blende und einem möglichst großen Sensor in der Regel auch ein knapper Abstand zum Motiv, ein großer Abstand zwischen Motiv und Hintergrund sowie eine lange Brennweite.

Das Interessante an diesem Bild ist, dass es mit einer kurzen Brennweite fotografiert wurde, nämlich mit 35 Millimetern. Diese schlechte technische Voraussetzung für eine knappe Tiefenschärfe wird durch die hohe Lichtstärke von 2.0 wieder wettgemacht, und so sieht das Foto eben aus, wie es aussieht.

Das Bild habe ich übrigens nach dem Kauf gemacht, die Testfotos vor dem Kauf möchte ich hier nicht zur Schau stellen. Aber sie haben mir gezeigt, dass es einen Unterschied macht, ob man ein Weitwinkelfoto mit Blende 4 (was bisher mein Limit war) oder Blende 2 macht. Mal ganz davon abgesehen, dass Blende 2 in schlecht beleuchteten Standesämtern und Kirchen auch in Sachen Belichtung hilfreich sein kann, weil das Objektiv vier Mal so viel Licht durchlässt wie meine alten Weitwinkelobjektive.

Inspiriert zum Kauf hat mich übrigens zweierlei: Zum einen habe ich dieses Jahr mit Hochzeitsfotos angefangen (hier sind Beispiele zu sehen), und ich glaube, dass sich die Zufriedenheit der Kunden (und auch meine) noch mehr steigern lässt, wenn man diesen Wow-Effekt, den eine knappe Tiefenschärfe oft auslöst, noch stärker  in die Weitwinkelmotive einbringen kann. Zum anderen schaue ich seit gestern das neue Video-Tutorial von Patrick Ludolph, einem sehr bekannten Fotografen aus Hamburg. Es geht da um Pärchenfotografie, es ist unterhaltsam und lehrreich wie immer bei ihm, und er schießt eigentlich alles mit sehr großen Blenden, auch die Weitwinkelmotive. Die Bilder sehen toll aus – nicht nur deswegen, aber eben auch deswegen.

Meine Empfehlung an potenzielle Nachahmungstäter ist allerdings, sich zunächst mit dem eigentlichen Fotografieren sehr sicher zu sein, bevor man teure Objektive zukauft. Bekommt man es plötzlich mit einer deutlich höheren Lichtstärke zu tun als vorher, muss man das exakte Setzen des Schärfepunktes schon einigermaßen beherrschen, denn eine knappe Tiefenschärfe, die nicht genau da liegt, wo der Betrachter sie erwartet, ruft kein Wow hervor, sondern ein Fragezeichen.

Oder wenn man sich ins Reich des Super-Weitwinkels wagt (alles unter 20 Millimeter): Dann hat man eine sehr große Bildfläche zur Verfügung und sollte etwas Erfahrung in Sachen Bildgestaltung haben, um diese Fläche auch sinnvoll zu füllen. Es bringt jedenfalls wenig, sich beim Fotografieren an dem riesigen Bildwinkel zu erfreuen, um hinterher festzustellen, dass das Bild einen Beschnitt braucht, um gut auszusehen.

Ich selbst denke natürlich, dass ich inzwischen reif bin für ein Weitwinkelzoom mit einer offenen Blende 2.0. Es ist auch nicht mein erstes lichtstarkes Objektiv, aber eben das erste Weitwinkel mit einer solchen Lichtstärke. Und ich freue mich jetzt schon auf Dienstag, da werde ich es zum ersten Mal bei einem richtigen Auftrag einsetzen.

P.S.: Ich habe im Projekt 366 schon einmal eine Sonnenblume fotografiert, damals mit 200-Millimeter-Objektiv und Blende 11 (ja, das kann auch mal sinnvoll sein). Die Aufnahme ist hier zu sehen.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

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