Wanderlust


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Wanderung in der Toskana, Greve/I                    ©Stefan Anker

Eine meiner wichtigsten Regeln lautet: Fotografiere Menschen nicht von hinten. Aber wie alle Regeln darf auch sie gebrochen werden, und umso eher ist das erlaubt, wenn ich die Regel selbst aufgestellt habe. Also: Wer wandert, darf, soll  und muss auch von hinten fotografiert werden, denn diese Perspektive symbolisiert den Aufbruch, der mit jeder Wanderung verbunden ist. Und natürlich  gibt es auch noch einen ganz pragmatischen Grund für den Regelverstoß.

Ich habe von jeder Wanderung ziemlich viele Fotos, die den Rücken und den Rucksack meiner Frau zeigen – ich habe auch welche, auf denen sie von vorn zu sehen ist, natürlich  habe ich die. Aber sie machen mehr Mühe: Ich muss mir dann nämlich einen Vorsprung herausarbeiten, und das ist nicht ganz so einfach. Denn ich trage erstens mehr Gewicht mit mir herum (und damit meine ich nicht nur die Fotoausrüstung), und zweitens bleibe ich ohnehin oft zurück, um Bilder zu machen, seien es Landschafts- oder Detailaufnahmen. (Details sind extrem wichtig, wenn Sie Diashows oder Fotobücher machen wollen, aber das nur am Rande.)

Jedenfalls muss ich dann immer etwas Gas geben, wenn ich ein Porträt meiner Frau beim Wandern fotografieren will, und deshalb gibt es solche Bilder weniger als die Rückansichten. Entscheidend ist aber nicht, was man fotografiert, sondern was und in welchem Mengenverhältnis man später zeigt. Und da rücke ich die Verhältnisse natürlich wieder etwas gerade.

Das Foto von heute gefällt mir besonders, weil es mal wieder beweist, dass man sich von schlechtem Wetter nicht abhalten lassen muss zu fotografieren. Solange die Mitreisenden farbige Kleidung tragen (rot ist natürlich perfekt) und man sonst noch ein paar Farbkleckse findet (hier: der gelbe Ginster rechts), hat man immer gutes Material, um später in der Bildbearbeitung etwas Schönes daraus zu machen.

Im Wesentlichen habe ich hier wieder mit den Reglern unterhalb der Gradationskurve gearbeitet und die hellen sowie die dunklen Mitteltöne heller gemacht, während ich die Tiefen, also das Schwarz, abgedunkelt habe. Dann noch eine Vignette zur Abdunklung der Ecken, einen abdunkelnden Verlaufsfilter von oben nach unten, um einen Rest Blau in den Himmel zu bekommen, und mit den Farbreglern für Grün das Gras ein Stück betonen. Den Rest übernehmen die Regler für Sättigung und Kontrast, wie üblich geht der Sättigungsregler ein Stück nach links (entsättigen) und der Kontrastregler ein Stück nach rechts (Kontrast erhöhen).

Zu dem leicht düsteren Eindruck, den diese Bearbeitung erzeugt (herrlich, was man alles machen kann, wenn keine Schatten im Bild sind), passt die Bildgestaltung: Mit langer Brennweite und offener Blende fotografiert, konzentriert sich das Foto sehr auf die Wanderin.

Man könnte hier einwenden, die rotgekleidete Person falle sowieso als erstes ins Auge, auch wenn dieses Bild mit 35 Millimeter, Blende 8 und daher durchgehender Tiefenschärfe fotografiert worden wäre. Das mag sein, aber  in dieser Frage rechne ich ja in Bruchteilen von Sekunden – weil auch der Betrachter in Bruchteilen von Sekunden entscheidet, ob er versteht, was er sieht, und ob er es weiterhin betrachten will.

Darum ist es nicht egal, wie man fotografiert, selbst wenn das Modell Rot trägt.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

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