Back to the roots


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Audi Q2 am Enea-Baummuseum, Rapperswil-Jona/CH                    ©Stefan Anker

Hm, ist das die richtige Überschrift für ein Bild des nagelneuen Audi Q2? Da geht es doch eher auf zu neuen Ufern als zurück zu den Wurzeln, oder? Stimmt. Aber dies ist ja kein Auto-Blog hier, sondern es geht um Fotografie, genauer: Um das, was ich mir darunter vorstelle. Und da erlaube ich mir heute, nachdem ich Halbzeit habe bei meinem Projekt 366, einen Blick zurück. Nicht nur auf dieses Jahr und mein Projekt, sondern auf die Anfänge meiner professionellen Fotografie. Und worum ging es da wohl? Na? Na?

Autos. Bei mir geht es seit mehr als 25 Jahren beruflich um Autos. Ich fahre sie, ich beurteile sie, ich schreibe über sie, und irgendwann habe ich auch angefangen, sie zu fotografieren. Zaghaft zuerst, mehr aus der Not geboren, weil mein damaliger Ressortleiter bei der „Bild“-Zeitung die Idee hatte, dass wir unsere Fahrberichte nicht mit den Pressemappenfotos illustrieren sollten. Sondern wir nahmen riesige Magnetfolien mit, auf denen „Bild-Test“ stand. Und dann suchten wir eine geeignete Stelle („Keine Kneipe, keine Kirche“, sagte mein Chef) und fotografierten.

Das ging so lange gut, bis mal ein Auto eine Aluminiumkarosserie hatte. Kein Magnetismus, aber mein Chef wusste sich zu helfen: Er ließ Klebeschilder anfertigen. Damit konnte man dann auch bequem von Location zu Location fahren, ohne dass sie herunterfielen. Peinlich war es mir schon, aber es gehört auch zu den Voraussetzungen des Journalistenberufs (Text oder Foto, ganz egal),  dass einem nicht allzu viel peinlich sein darf. Oder wenn doch, dann muss man es halt ertragen.

An die Anweisung, Autos zum Fotografieren nicht vor Alkohol ausschenkende Betriebe zu stellen und ebenso nicht vor religiöse Gebäude, halte ich mich übrigens heute noch. Eine weitere Richtlinie gebot mir, die Vorderräder vorm Fotografieren stets gerade zu stellen. Das mache ich ebenfalls heute noch, gestatte mir allerdings auch manchmal Ausnahmen von dieser Regel. Bedenken muss man nur, dass man das Lenkrad nicht bis zum Anschlag bewegt (man sieht dann eher Reifenprofil als Felgendesign), und man sollte zu jedem Motiv mit eingeschlagenen Rädern einen alternativen Schuss mit gerade stehenden Rädern machen.

An dieser Kleinigkeit sieht man schon, dass Autofotografie aufwendig ist. Ich habe im Lauf der Jahre immer versucht, den Fotografen nachzueifern, die Bilder für die Fachzeitschriften machen, war allerdings meist allein unterwegs, was die Sache schwieriger macht.

Schon dieses Standfoto hier vom Audi Q2 hätte ich nicht ohne einen Kollegen realisieren können, weil der Weg (es ist der Eingang zum Enea-Baummuseum in der Schweiz) zu eng ist, als dass andere Autos passieren könnten. Mit meinem Teleobjektiv war ich rund 100 Meter weg, und es ist schrecklich, beim Fotografieren immer hin und her laufen zu müssen, nur weil das Auto den Weg versperrt.

Wer also Autos besser fotografieren möchte, als man es vielmillionenfach im Netz sehen kann, der braucht eine Vertrauensperson, die den Wagen rangieren oder fahren kann (sonst gibt’s ja auch keine Fahraufnahmen). Außerdem sollte das Auto sauber sein (frisch gewaschen und – wichtig – getrocknet), man benötigt einen sicheren Standort für sich selbst und einen sicheren, möglichst auch legalen und vor allem schönen Standort für das Auto.

Ich begreife Autofotos als eine Variante der Porträtfotografie, weshalb ich möglichst in Augenhöhe (okay: Scheinwerferhöhe) fotografiere und – wie bei Porträts – Hintergründe suche, die einigermaßen interessant sind, aber dennoch nicht vom Motiv ablenken. Wegen der Größe und der geringeren Flexibilität des Autos ist die Hintergrundsuche  deutlich schwieriger als bei Menschenporträts. Deshalb gilt für mich die Regel: Nimm, was du kriegen kannst. Fahre nicht an einer schönen Stelle vorbei, weil du denkst, da kommt sicher noch etwas. Erst mal ein gutes Foto machen, dann wird die Suche nach Location Nummer zwei auch gleich viel entspannter.

Die hohle Gasse hier war eine Art Selbstläufer, schon wegen der Farbe meines Testwagens. Gelb und Grün, dazu der schwarze Weg, ich wusste schon vor dem Fotografieren, dass das ein gutes Bild geben würde. (Es sind noch störende Details drin, das weiß ich, aber dazu komme ich gleich noch.)

Ich habe hier auch mit der Drittelregel experimentiert, aber mich doch schnell dafür entschieden, den Q2 exakt in die Mitte zu nehmen. Er sieht toll aus, er guckt sehr intensiv, er hat diese Platzierung allemal verdient. Natürlich schreit so ein Bild dann auch nach einer Vignette, aber den Effekt der Rand- und Eckenabdunklung habe ich mal wieder mit dem Radialfilter harmonischer hinbekommen: Es liegt ein virtueller Kreis um den Audi herum, doch der Wagen selbst wird von ihm nicht angetastet, sondern alles außerhalb des Kreises wird – sanft abgestuft – nach außen hin immer dunkler.

Kontrast, Belichtung, Sättigung, Optimierung von Gelb und Grün, das sind dann noch die Regler, an denen ich gedreht habe, um die Bildaussage („Hier ist das neue Auto, es ist wichtig!“) schneller verständlich zu machen.

Weil ich das Foto mittags gemacht habe (man kann sich das nicht immer aussuchen), fallen die Schatten der Bäume relativ hart auf die Straße, aber das sieht ganz gut aus, finde ich. Schwieriger sind die Spiegelungen der Äste im Lack und in einer Ecke der Windschutzscheibe.

Ich habe zwar einen Polarisationsfilter (Polfilter) auf das Objektiv gesetzt, weil ohne ihn die Scheibe eine einzige milchig-weiße Reflexionsfläche war, aber mit den direkten Spiegelungen in der rechten oberen Fensterecke muss ich offenbar leben. Das kann ich auch – was mich stört, sind allerdings die drei weißen Flecken in der Scheibe. Fleck Nummer eins (rechts unten) ist das Head-up-Display des Audi, da hätte ich den Kollegen am Steuer bitten müssen, es einzufahren. Fleck zwei sitzt als Aufkleber vor dem Rückspiegel, und die Nummer drei sieht man durch Front- und Heckscheibe hindurch, es ist eine große Stele am Ende des Wegs. Wäre ich ein Photoshop-Könner, hätte ich alle drei Flecken schon längst entfernt, da ich aber nur in Lightroom gut bin, muss dieser letzte Feinschliff erst einmal warten.

Womit ich bei der Bilanz meines Projektes wäre. Erstens: Es macht Spaß, aber es ist auch anstrengend. Zweitens: Es ist anstrengend, aber es macht auch Spaß.

Im Ernst: Rund zwei Arbeitsstunden verwende ich im Durchschnitt täglich auf mein Projekt, dafür bleibt anderes auch schon mal liegen. Und manchmal rollt auch meine Frau mit den Augen, wenn ich abends sage, dass ich noch mein Bild bearbeiten und den Text dazu schreiben muss.

Andererseits: Ich habe mich noch nie so intensiv mit Fotografie auseinandergesetzt wie in diesem Jahr. Da ich von vornherein den Plan hatte, nicht einfach mein Leben abzufotografieren, sondern vorzeigbare Bilder herzustellen, die möglichst vielen Menschen gefallen sollen und eine gewisse Qualität haben, muss ich jeden Tag sehr ernsthaft darüber nachdenken, was ich fotografieren will. Und wenn ich das dann weiß, will die Idee sauber umgesetzt werden.

Wenn ich nicht weiß, was ich fotografieren soll, gehe ich in den Garten und fotografiere eine Blume, das haben sicher auch schon einige Leser mitbekommen. Aber man ist halt nicht jeden Tag gleich gut, es kommen auch die Schaffenskrisen, die man dann durchstehen muss.

Die erste Hälfte ist also geschafft, auch wenn heute erst der 182. Tag des Jahres ist (aber Ende Juni ist halt Ende Juni), und ich freue mich auf die nächsten 184 Bilder. Ich erfreue mich einer großartigen moralischen  Unterstützung von anderen Fotografen, die ich in der Community Shootcamp kennen gelernt habe (danke, danke, danke!!!). Auf Facebook hat man mich auch noch nicht mit einem Shitstorm bedacht (danke für alle freundlichen Kommentare. Like, like, like!!!). Und die ganze Sache inspiriert mich zu weiteren geschäftlichen Unternehmungen.

Dieses Jahr habe ich schon ein Fotografie-Coaching gegeben und einen Vortrag über Bildgestaltung gehalten, beides hat ganz ordentlich geklappt und soll ausgebaut werden. Aus dem Projekt 366 will ich Anfang 2017 eine Ausstellung und/oder ein Buch machen. Und 2016 muss ich ganz dringend einiges über Suchmaschinenoptimierung (SEO) lernen. Denn es dürften gern noch ein paar mehr Leute hier vorbeischauen.

Wer also diesen längsten Blogpost des Jahres bis hierher gelesen hat, der darf die Seite MalAugeFragen gern allen seinen Freunden empfehlen.

Bis morgen!

 

 

 

 

 

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