Licht und Schatten


Lampe, Tischlampe, Schatten
Tischlampe mit Schatten, Königs Wusterhausen/D                    ©Stefan Anker

Wales ist schuld. Oder besser: Meine Neigung, die Spiele der Fußball-EM live zu sehen ist dafür verantwortlich, dass ich heute nur ein Husch-Husch-Bild einstellen kann, auf das ich nicht wirklich stolz bin. Die Idee dazu hatte ich schon heute Mittag, aber mit so einem Produktfoto erst um kurz vor 23 Uhr zu beginnen, das ist dann doch die falsche Strategie. Heute also wird nicht beschrieben, was gut und richtig ist an dem aktuellen Foto, sondern es geht um schlecht und falsch.

Zu meinen unverwirklichten Foto-Träumen gehört es, einmal ein Produktfoto zu machen, das ich selbst überzeugend genug finde, um es irgendwie an Eberhard Schuy zu senden und von ihm Feedback zu erbitten. Schuy ist für mich der Großmeister der Produktfotografie, und ich hoffe, er bekommt niemals dieses Bild hier zu sehen.

Es zeigt die Lampe über unserem Küchentisch, und was mir daran immerhin gefällt, ist der Bildaufbau. Die Lampe ist aus der Mitte gerückt, und sie passt zusammen mit ihrem Schatten in den Lichtkreis, den ich mit einer LED-Lampe von schräg links erzeugt habe.

Nur die Ausarbeitung dieses Themas genügt nicht wirklich professionellen Ansprüchen. Zuerst ist das handgeschlagene Material der Lampe (Zinn, wenn ich mich recht erinnere) nicht zu erkennen, die Lampe ist einfach zu dunkel – ihr Hersteller würde kaum mit diesem Foto werben.

Dann franst der LED-Lichtkreis links oben an zwei Stellen aus, weil die Lampe das Licht halt auch nach links reflektiert. Der Reflex vorn an der Lampenspitze stört mich auch, und die Kabelhülsen sind viiiieeeel zu hell geworden. Schlimmer ist, dass sie auch noch schief stehen.

Nun könnte der Fotograf sagen, er sei ja nicht für den Zusammenbau der Lampe verantwortlich zu machen. Aber das greift zu kurz. Weil der Fotograf, jedenfalls der Produktfotograf, für ein perfektes Foto verantwortlich ist, muss er sich auch um den tadellosen Zustand des Objektes kümmern (oder jemanden bitten, das für ihn zu tun).

Im Nachhinein bin ich zudem der Meinung, dass das Foto eine durchgehende Schärfe haben sollte. Da ich schon mit Blende 11 fotografiert habe, müsste man hier mit der Technik des Focus-Stacking weitermachen, weil eine weitere geschlossene Blende die sogenannte Beugungsunschärfe verursacht. Wer zu beidem mehr wissen will, dem empfehle ich meinen Blogpost vom 10.Mai: Todesstern im Garten.

Wenn ich hier Focus-Stacking betreiben würde, dann müsste notwendigerweise nicht nur die Kamera auf ein Stativ, sondern auch die LED-Lampe (damit Lichtkreis und Lampenschatten auf jedem Teilfoto exakt gleich aussehen). Das hätte ich für dieses Foto auch so machen sollen, denn ich vermute, der Schatten der Lampe wirkt deshalb vorn ein wenig indifferent, weil ich die Lampe über die mehrsekündige Belichtungszeit nicht ganz ruhig in der Hand gehalten habe.

Bevor ich mich jetzt noch mehr geißele, kommt hier vielleicht der Kernsatz des Ganzen: Man muss sich Mühe geben für ein gutes Foto, und beim Produktbild gilt das gleich doppelt.

Ich halte es heute also mit den Belgiern und versuche, ein guter Verlierer zu sein. Und morgen bin ich dann wieder ein guter Fotograf.

Hoffentlich.

 

 

 

2 Kommentare zu „Licht und Schatten

  1. Zunächst: wenn das Bild vor Deinen Augen und Deiner Grundhaltung zur Fotografie so nicht bestehen kann, verstehe ich das anhand Deiner gezeigten vorherigen 182 Bilder.
    Aber: Mich überzeugt auch das nicht Fertige, das Verbesserungsfähige.

    Schubert hat seine 8. Symphonie nie vollendet. Sie wird dennoch aufgeführt und sie liefert einige der für mich berührendsten Themen der romantischen Musik. Ich denke an Skizzenblätter eines Egon Schiele. Ich denke die Welt der Kunst ist voll von Unfertigem, Fragmentarischem, das heute in hohem Maß gewürdigt wird. Und warum soll der geneigte Betrachter nicht in die Stoffsammlung, das Werden, das nicht Fertige einbezogen werden.

    Ich sehe die Gefahr natürlich, dass man es sich mit dieser Denkweise auch einfach machen kann und die Selbstkritik irgendwann nur noch „fragmentarisch“ existiert.

    Dein Foto hat für mich so etwas von filmischem Expressionismus, düster wie ‚ Nosferatu‘ .

    Ich kann alles, was Du schreibst, nachvollziehen, aber ich seh da eben auch noch anderes, vlt. -da muß ich nochmal schauen- hat deine 183 bei mir ne Chance in Richtung vordere Plätze. Das Bauchgefühl meiner Frau war sofort “ für“ dein Bild.

    VG Klaus

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