Unschuldsvermutung


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Streichhölzer vor brennender Kerze, Königs Wusterhausen/D                    ©Stefan Anker

Welche Kraft hat der erste Eindruck? Jeder, der dieses Bild hier sieht, wird annehmen, die Kerze im Hintergrund sei mit dem einzigen abgebrannten Streichholz angezündet worden. Doch das Bild allein gibt dafür keinen Beweis.

Es könnte ein anderes Streichholz gewesen sein, das ich entweder in dem großen Hölzchenhaufen versteckt oder längst weggeworfen habe.

Ein Wesenszug des Rechtsstaates ist die Unschuldsvermutung: Wer mit einer brennenden Fackel neben einem brennenden Haus angetroffen wird, muss nicht der Brandstifter sein. Es spricht einiges gegen ihn, man sollte ihn festnehmen und dringend befragen. Doch wenn man ihn verurteilen will, braucht man mehr: am besten ein Geständnis, sonst eben Zeugenaussagen und/oder belastbare Ergebnisse der Spurensicherung. Der Anschein darf nicht für eine Geld- oder Freiheitsstrafe herhalten, selbst wenn der Schein in vielen vergleichbaren Fällen nicht getrogen hat. Jeder einzelne neue Fall muss bewiesen werden, denn es darf keine Verurteilung ohne Beweis geben.

Mir scheint, dass viele Menschen heute dieser Grundsätze überdrüssig sind. Sie hätten es gerne einfacher: Jeder Afrikaner ein Sexualtäter, jeder Sachse ein Neonazi, sieht man doch, weiß man doch, ab ins Gefängnis und der Nächste, bitte.

Ich habe mit dem Streichholz übrigens wirklich eine Kerze angezündet. Aber eine andere, die mir nach ein paar Probeaufnahmen nicht mehr gefiel. Diese Kerze hier habe ich dann in die Flamme der ersten Kerze gehalten. Das abgebrannte Streichholz war da schon lange wieder kalt. Es ist unschuldig.

Vielleicht noch zwei Sätze zur Fotografie: Damit nicht die Flamme den ersten Blick auf sich zieht, habe ich das Streichholzbündel erstens in der linken Bildhälfte platziert und es zweitens angeblitzt. So ist es etwas heller geworden als die Kerze, und die Blickführung wird klar (hoffe ich jedenfalls). Damit die Kerze nicht auch vom Blitz beleuchtet wird, habe ich die Blitzleistung so weit wie möglich heruntergeregelt, den Zoom des Reflektors so eng wie möglich eingestellt und den Blitz direkt von schräg oben (ca. 50 cm entfernt) über die Streichhölzer gehalten. So hat die Kerze höchstens ein bisschen Streulicht abbekommen, die gewünschte Lichtverteilung blieb erhalten.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

Ein Kommentar zu „Unschuldsvermutung

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