Doch, dies ist ein Porträt


Baum, Rinde, Wald
Einzelner Baum im Wald, Wolzig/D                    ©Stefan Anker

Mein Freund, der Baum – oder was? Nein, so sentimental bin ich nicht, zu diesem Bild hat mich vielmehr der heutige Arbeitstag mit meiner Praktikantin inspiriert. Wir haben nämlich über die beliebteste und wichtigste Form der Fotografie gesprochen.

Natürlich ging es um das Porträt. Und um die Frage, wie man den Hintergrund so schön wegblendet, dass die erste Reaktion des Betrachters (und/oder des Modells) ein gepflegtes „Wow!“ ist.

Ich als reicher alter Mann habe es da natürlich leicht: Vollformatkamera, 50-Millimeter-Objektiv mit Lichtstärke 1.4, was soll da schon passieren? Weit herausfordernder ist es mit der Kamera meiner Praktikantin: APS-C-Sensor, maximale Lichtstärke bei 50 Millimeter: ca. 4.5 (genau weiß ich es nicht, es ist ein Zoom), also gut drei Blendenstufen drüber. Was macht man da?

Wer an der Kamera und am Objektiv nichts ändern kann, der muss sich mit Entfernungen auseinandersetzen. Einen schönen Unschärfe-Effekt bekommt man hin, wenn man möglichst nah ans Modell herangeht, und wenn das Modell gleichzeitig möglichst weit weg vom Hintergrund steht.

So wie in diesem Bild. Die Bäume sind zwar in einem ordentlichen deutschen Wald alle gleich weit voneinander entfernt, aber ich bin an den ersten Baum so dicht herangegangen, wie es mein Objektiv erlaubt, und damit habe ich schon einen sehr großen Unterschied erzeugt zwischen Abstand A (Fotograf – Modell) und Abstand B (Modell – Hintergrund).

Mein heutiges Bild ist zwar mit Blende 2.8 gemacht (ich Snob), aber immerhin auch mit einem kleinen Sensor. Trotzdem liege ich, was die Unschärfe im Hintergrund angeht, natürlich noch etwas vorn gegen über der maximalen Blende 4.5, die meine Praktikantin nutzen kann. Dafür hat sie ein Zoomobjektiv, was bis 85 Millimeter Brennweite reicht. Die sollte sie ausnutzen, denn die Länge der Brennweite wirkt sich auch auf die Unschärfe im Hintergrund aus. Es gilt die einfache Regel: Je lang, desto unscharf – und natürlich umgekehrt: je kurz, desto scharf.

Zusammengefasst gilt für alle Fotografen mit kleinerem Systemkamera-Sensor: Möglichst lange Brennweite einsetzen, Blende bis zum Anschlag öffnen, schön dicht ran ans Motiv. Und lasst das Modell sich nicht an die Wand anlehnen, dann seht ihr jede Fuge – das Motiv muss weit weg vom Hintergrund.

Wer übrigens zweimal auf mein Bild hier schaut, wird vielleicht bemerken, dass es noch eine wichtige Beigabe eines guten Porträtfotos zeigt. Das ist natürlich in dieser Waldszene besonders leicht, aber man erkennt trotz starker Unschärfe immer noch, was das eigentlich für ein Hintergrund ist. Und wenn der auch nur ein bisschen attraktiv aussieht, eine klare Struktur hat oder interessante Farben, dann kann man gern versuchen, sein Porträt so zu fotografieren, dass der Betrachter weiß, wo sich das Ganze abspielt.

Das wäre allerdings der zweite Schritt in der Porträtfoto-Karriere. Zuerst sollte man versuchen, den Hintergrund zuverlässig in Unschärfe versinken zu lassen. Das andere ist dann die Kür, mit der man sich beschäftigt, sobald man die erste Aufgabe beherrscht.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

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