Viel schöner wohnen


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Villen am Berghang in der Mittagssonne, Marbella/E                    ©Stefan Anker

Auch wenn man selbst niemals eine Villa besitzen wird, so kann man sich doch an dem Anblick fremder Häuser erfreuen. Manchmal findet man sie einfach am Straßenrand und macht ein Foto, das ist doch schon mal ein Anfang. Bleibt nur die Frage: Darf man das eigentlich?

Um ehrlich zu sein, ich weiß nicht genau, wie es in Spanien ist, wo mein heutiges Foto des Tages entstand. Aber in den meisten westlichen Ländern gilt die sogenannte Panoramafreiheit. Sie ist in Deutschland Teil des Urheberrechts (nämlich ein einschränkender Teil), und ich halte sie für eine geniale, Frieden stiftende Rechtskonstruktion.

Panoramafreiheit bedeutet im Wesentlichen: Alles, was man von der Straße bzw. dem Fußweg aus sehen kann, etwa bei einem Spaziergang, darf man auch fotografieren. Das gilt nicht nur für Aufnahmen wie diese hier, die aus größerer Entfernung gemacht werden, sondern auch, wenn man direkt vor einem Haus steht. Man darf die Fotos, die unter dem Schutz der Panoramafreiheit entstehen, sogar veröffentlichen oder verkaufen.

Natürlich gibt es Ausnahmen, dazu zählen zum Beispiel militärische Anlagen. Ganz normale Häuser hingegen sind zwar Privatbesitz, aber darum nicht unbedingt schützenswert, was den Blick mit der Kamera angeht. Sonst müsste man ja auch beim Spaziergang ohne Kamera strikt an ihnen vorbeisehen.

Was man allerdings nicht darf: Personen in oder neben den Häusern ungefragt fotografieren. Außerdem darf man keine Hilfsmittel benutzen, wenn man seine Bilder macht. Als Hilfsmittel gelten zum Beispiel Leitern, die dem Fotografen helfen, über den Zaun zu schauen. Ebenfalls darf man nicht auf Bäume klettern, um Fotos von fremden Häusern und Gärten zu machen, und streng genommen ist auch ein Bild vom Nachbarhaus aus nicht gestattet. Das Gesetz spricht von allgemein zugänglichen Orten, wenn vom Kamerastandpunkt die Rede ist.

Interessant ist die Frage, ob ein Teleobjektiv ein Hilfsmittel ist. Mein Bild von heute habe ich mit einer Brennweite von 150 Millimetern an einem APS-C-Sensor gemacht, wir sehen hier also einen Bildausschnitt, wie ihn ein 240-Millimeter-Objektiv am Vollformatsensor erzeugt hätte. Nie und nimmer könnte das menschliche Auge den Blick aus der Entfernung, in der ich stand (laut Google Maps ca. 400 Meter), derart verengen.

Andererseits hat die Auge-Gehirn-Kombination die Fähigkeit, unwichtige Dinge auszublenden, und so kann ich mir auch ohne Tele-Blickwinkel diese drei Häuser sehr konzentriert anschauen, was nicht verboten ist.

Schwieriger wird es, wenn ich mit einem Tele direkt vor dem Haus stehe und damit quasi in die Fenster hinein linse. Ich könnte gut verstehen, wenn der Hausbesitzer dann etwas ungehalten reagierte, weshalb ich selbst solche Fotos auch nicht mache.

Mit einem Weitwinkel- oder Normalobjektiv darf man fremder Leute Häuser aber aus der Nähe fotografieren, und auch wenn sie sich darüber beklagen oder es gar verbieten wollen, müssen sie es dulden. Es gibt kein Recht eines  Hauses am eigenen Bild, das gilt auch für Autos oder andere Gegenstände – immer vorausgesetzt, man dringt zum Fotografieren nicht auf Privatgrundstücke vor.

Wer das Ablichten seines Hauses verhindern will, hat dazu nur eine legale Möglichkeit: Er muss sich auf seinem Grundstück vors Haus stellen, so dass er mit aufs Foto käme – dann greift das persönliche Recht am eigenen Bild, und eine Aufnahme wäre tatsächlich unzulässig.

Es gibt auch aggressivere Naturen, die versuchen, den Fotografen mit dem Baseballschläger zu verjagen. Ob dann das beherzte Berufen auf Paragraph 59 des Urheberrechts-Gesetzes noch die richtige Reaktion ist, muss jeder selbst beurteilen.

Ich würde mein Foto machen und rennen.

P.S.: Dieser Text ersetzt keine Rechtsberatung. Ich bin kein Jurist, sondern trage hier nur zusammen, was ich durch meine persönliche Erfahrung mit diesem Thema weiß. Ergänzungen und Kritik sind herzlich willkommen.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

 

Ein Kommentar zu „Viel schöner wohnen

  1. Super erklärt. Genau mit dieser Problematik bin ich vor einiger Zeit auch konfrontiert gewesen, als an einer „stillgelegten“ Apotheke in unserer Strasse die Buchstaben der Leuchtreklame über dem Eingang abgeschraubt wurden und nett unordentlich auf dem Gehweg herumlagen. Ich mit der Kamera natürlich gleich los und statt Fotografieren Diskutieren mit dem Handwerker. Das nächste Mal wird ich forscher sein.

    Zum Bild: die Besitzer dieser Häuser haben mindestens die gleichen Probleme wie wir – ok., möglicherweise einige Nullen vorm Komma später. Sehr beeindruckend.

    Gefällt 1 Person

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