Real oder nicht real?


Schwoimmbad, Schwimmbecken, Olympiastadion, Berlin
Historisches Schwimmbad, mit frischem Wasser gefüllt, Berlin/D                    ©Stefan Anker

Richtig, der Himmel ist gewöhnlich nicht türkisfarben, und das Wasser im Schwimmbecken ist es wohl auch nicht. Dieses Foto ist stark bearbeitet, aleine mit dem Ziel, es unwirklich erscheinen zu lassen. Wahrscheinlich versteht man das, wenn man weiß, was hier eigentlich zu sehen ist.

Es ist tatsächlich das Olympische Schwimmbad von 1936, das direkt neben der Nordseite des Berliner Olympiastadions liegt. Ich war heute in der Nähe des Stadions, habe sieben Euro Eintritt bezahlt, um dort mein Foto des Tages zu machen, und ich hatte schon ganz andere Bilder dafür im Sinn (und im Kasten), als ich auf dem Rückweg zum Ein- und Ausgang das Berliner Olympiabad entdeckte. (Ich bin kein Berliner, deshalb mache ich in dieser Stadt immer mal wieder Entdeckungen.)

Wow, so alt und trotzdem mit Wasser gefüllt. 50×20 Meter, auf den Tribünen Platz für 7600 Menschen – hier schwamm man 1936 um Olympische Medaillen, und immer noch kann dieses Becken genutzt werden. Heute plantschten nur drei Leute darin herum, ich habe mit dem Fotografieren aber gewartet, bis sie hinter dem Sprungturm verschwunden waren, weil ich hier Unwirklichkeit abbilden wollte.

Obwohl das große Stadion ja auch noch genutzt wird, kam mir das Schwimmbecken wie aus der Zeit gefallen vor, weshalb ich beim Fotografieren auf Leere und Symmetrie geachtet habe. Vielleicht hätte ich später noch die zarten Spuren der Stadt im Hintergrund wegstempeln sollen, aber das wäre dann wieder ein Stück Manipulation gewesen, wovon ich lieber die Finger lasse.

Manipuliert ist natürlich auch die Farbgebung, aber das wird wohl jeder Betrachter auf Anhieb erkennen, und darum fällt es für mich unter künstlerische Freiheit. Im einzelnen habe ich den Weißabgleich ein gutes Stück Richtung Gelb (also: warm) verschoben, gleichzeitig aber den blauen Ton des Himmels ins Türkise verändert, was wieder viel Kühle hinzugefügt.

Zusätzlich gibt es eine kräftige Erhöhung des Kontrastes und der Sättigung, der Himmel wurde mit einem Verlaufsfilter abgedunkelt und mit weiterem Kontrast versehen. Und um das Becken samt Sprungturm liegt ein Radialfilter, der das, was er umgibt, unangetastet lässt, den Rest des Bildes aber leicht abdunkelt.

Noch zwei Anmerkungen aus der Realität dieses Bildes. Erstens: Die oberen Sitzreihen der Tribünen sind tatsächlich dunkler als die unteren, das ist keine Nebenwirkung meiner Bildbearbeitung. Zweitens: Der Sprungturm steht auf dem Foto nicht genau in der Mitte, weil er auch in Wirklichkeit nicht genau in der Mitte des Beckens steht – es sind die Plattformen, an denen man sich orientieren muss. Das habe ich spät bemerkt (und darum zunächst mit viel Mühe viel Ausschuss produziert), aber wenigstens habe ich es noch bemerkt.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

 

3 Kommentare zu „Real oder nicht real?

  1. Klasse Erklärung. Tolles Bild. Ich hätte wahrscheinlich noch B/W probiert um diesen „Berlin ’36“-Effekt nachzuahmen. Aber das ist vermutlich zu offensichtlich und evtl. sogar zu banal. Klasse, dass Du es so gelöst hast.

    Und ja, Kommentare gehen wieder, mein WP hatte da irgendwelche Eigenmächtigkeiten gepflegt. Jetzt ist es wieder in der Spur.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s