Porsche digital


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Thilo Koslowski, Chef der Porsche Digital GmbH, Berlin/D                    ©Stefan Anker

Heute begehe ich einen Regelverstoß, ganz klar. Ich habe deswegen etwas mit mir gerungen, aber andererseits will ich dieses Bild unbedingt im Blog zeigen. Und natürlich erklären, was es damit auf sich hat – und warum es eigentlich gar nicht hier stehen dürfte.

Also: Eine der wichtigen Regeln meines Projektes 366 ist, dass ich nicht nur täglich ein Foto veröffentliche, sondern dass dieses Foto auch genau am selben Tag gemacht wurde. Das ist bei dieser Aufnahme nicht der Fall, sie stammt vom 28. Juni 2016, doch damals konnte ich sie noch nicht zeigen, weil sie zu einer Geschichte von mir in der „Welt am Sonntag“ gehört, die heute erst erscheinen sollte.

Das ist also meine Hilfskonstruktion: Weil das Foto heute zum ersten Mal überhaupt veröffentlicht wird, betrachte ich es einfach als aktuelles Foto des Tages. Keine ganz saubere Interpretation, das weiß ich, aber andererseits ist die Kunst ja auch frei (bestes Totschlagargument, kann man ab und zu benutzen).

Um wieder ernst zu werden: Ich zeige das Bild hier nicht nur wegen sonntäglichen Müßiggangs, sondern aus zwei Gründen. Erstens gefällt es mir sehr gut, und weil es sogar der Art Direktorin und dem zuständigen stellvertretenden Chefredakteur gefiel, kann man schon fast sagen, es sei ein objektiv gutes Foto. Jedenfalls ist es immer angenehm, wenn die Kundschaft dasselbe über ein Bild denkt wie der Fotograf.

Der zweite Grund, dieses Bild zu zeigen, liegt im Thema der Geschichte. Zu sehen ist Thilo Koslowski, seit Anfang Juni Chef der neu gegründeten Porsche Digital GmbH. Er wird in dieser Position mitverantwortlich sein für viele der künftigen Entwicklungen im Automobilbau, bis hin zum autonomen Fahren. Wichtige Voraussetzung für das alles und sein eigentliches Fachgebiet ist die Vernetzung. Und die wollte ich im Bild zeigen, zumindest unterschwellig.

Ich bin also 45 Minuten vor dem verabredeten Termin am Ort des Geschehens gewesen, in der Volkswagen-Konzernrepräsentanz Berlin, und habe nach geeigneten Stellen zum Fotografieren gesucht. Diese Art Vorbereitung kann ich nur dringend empfehlen, wenn man es mit Managern oder Politikern oder anderen Spitzenleuten zu tun hat, die eines gemeinsam haben: wenig Zeit.

Man macht sich als Fotograf mehr als unbeliebt, wenn man auf Entscheider trifft und sich selbst noch nicht entschieden hat. Oder mit den Blitzen herumexperimentieren muss, weil man sich erst im Moment des ersten Schusses mit der Lichtsetzung befasst.

Ich wusste, dass ich in der Volkswagen-Repräsentanz Modellautos vorfinden würde, darum wollte ich auf jeden Fall einige von ihnen im Bild haben, um die Kommunikation untereinander zumindest anzudeuten. In einem Ausstellungsraum kam mir dann das Glück zu Hilfe: Dort standen weiße runde Stehtische, die ich nach Belieben anordnen konnte. Ich habe mich für ein Layout mit etwas Tiefe entschieden, um mit langer Brennweite (200 Millimeter) den Vordergrund schön zusammenrücken zu lassen und auch Unschärfe zu erzeugen.

Ob das jetzt genügt, beim Betrachter eine Assoziation zum Stichwort Vernetzung hervorzurufen, kann ich schwer sagen – da das Bild aber halbseitengroß über einem ebenso großen Text steht, in dem es im Wesentlichen um Vernetzung geht, gibt es vielleicht eine Chance, dass das Bild über seinen formalen Reiz hinaus funktioniert, also auf den zweiten Blick gewissermaßen.

Allerdings ist das nicht garantiert: Die Redaktion hat eine Bildunterschrift formuliert, die das Thema Vernetzung  komplett ignoriert, und die Kollegen haben sich immerhin sehr viel länger mit meinem Text befasst, als das Leser normalerweise tun.

Vielleicht waren also meine ganzen Gedanken für die Katz (oder nicht zwingend genug umgesetzt). Aber dann bleibt mir immer noch die äußere Form: Ein Porträt eines interessanten Managers mit Licht, Farbe, Struktur, Tiefe und der Portion Kühle, die der IT-Welt angemessen ist. Ich mag das Bild. Und ich mag, dass es halbseitengroß in der „Welt am Sonntag“ gedruckt wurde.

Es ist einfach zwingend mein Foto des Tages.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

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