Das ist doch keine Kunst


Buddy Bear, Statue, Berlin, Finanzministerium
Buddy-Bear-Statue vor dem Bundesfinanzministerium, Berlin/D                    ©Stefan Anker

Kunstwerke sind tolle Motive, denn sie sind per se ästhetisch oder wenigstens bedeutend und manchmal sogar beides. Darum werden sie nicht nur gern betrachtet, sondern ebenso oft fotografiert. Dagegen spricht nichts, rein gar nichts. Außer vielleicht die Fotografen-Ehre.

Ich finde es ein bisschen billig, die künstlerische Arbeit von anderen Leuten einfach so abzufotografieren. Also bemühe ich mich immer darum, das Kunstwerk in einen neuen Kontext zu setzen oder nur mit einem Teil des Kunstwerks zu arbeiten, um so ein eignes (kleines) Werk zu schaffen.

Über diese Methode habe ich übrigens mal mit Thomas Ingenlath gesprochen, das ist der Designchef von Volvo. Ob er es übelnehme, dass am Ende seines Gestaltungsprozesses, wenn also das fertige Auto auf der Straße ist, die Fotografen in Scharen angesaust kommen, wie die Geier, um ihr Geschäft it seiner Formensprache zu machen.

Nein, das sei nicht so, ganz im Gegenteil. Ingenlath liebt die Fotografie, und er ist immer gespannt darauf, wie andere Kreative seine Arbeit interpretieren, gern auch mit Kamera und Objektiv. Volvos oberster Gestalter findet es jedenfalls überhaupt nicht schlimm, wenn jemand Detailaufnahmen von seiner Schöpfung macht.

Ich darf vielleicht noch hinzufügen, dass es auch keinen Autodesigner stört, wenn das ganze Auto einfach nur abfotografiert und das Bild veröffentlicht wird. Da ein Automobil nicht nur das Ergebnis eines (zumindest teilweise) künstlerischen Prozesses ist, sondern auch ein zigtausendfach hergestelltes Serienprodukt, soll sich die frohe Kunde über seine Anwesenheit in den Schauräumen auch möglichst rasch und weit verbreiten.

Auch der hier abgebildete Buddy Bear ist nicht gerade ein Einzelstück, die mehr als mannshohen Skulpturen aus Kunststoff stehen über ganz Berlin verteilt herum, recken die Arme nach oben, und nicht jeder Berliner findet sie gleich gut, um es mal vorsichtig zu sagen. Den Touristen aber gefallen die Dinger (die auch immer mal wieder im Ausland ausgestellt werden, um für Berlin zu werben), und die Besucher der Stadt lassen sich oft davor fotografieren.

So ein Bild hatte ich jetzt natürlich nicht im Sinn, sondern ich wollte den Bären mit der Fassade des hinter ihm aufragenden Finanzministeriums kommunizieren lassen. Dazu musste ich mich ein wenig bücken und biegen, damit die Überwachungskamera an der Wand hinter dem Bärenkopf verschwindet. Dann sollte die Linie der Fenstersimse in der Schnauze des Bären ihre Fortsetzung finden, während der Blick des Bären eine gedachte Linie diagonal durch das ihm am nächsten liegende Fenster andeutet.

Ich will hier niemanden zwingen, meinen Vorstellungen zu folgen, aber ich finde, das ist eine Möglichkeit, in statische Bilder Bewegung zu bringen: Indem man Linien aufspürt, die entweder tatsächlich da sind oder da sein könnten. Zur Perfektion kommt diese Methode natürlich erst dann, wenn nicht nur der Fotograf diese Linien sieht, sondern wenn sie auch der Betrachter wenigstens erahnt – und deswegen vielleicht die eine Sekunde länger am Bild hängen bleibt. Diese Sekunde Extra-Aufmerksamkeit ist alles, was man als Fotograf erreichen kann, und es lohnt sich, dafür zu arbeiten.

Um vielleicht noch eine ehr praktisch begründete Linie zu erwähnen. Oft halte ich ja die Kamera schräg beim Fotografieren, und ich weiß auch, dass dieser Stil nicht immer jedem gefällt. Aber ich möchte doch noch erwähnen, dass ich bei vielen schräg aufgenommenen Fotos (wie bei diesem hier) darauf achte, wenigstens eine Linie exakt gerade im Bild zu haben. Hier sind es die Fenster am linken Bildrand – und wenn man so einen Halt hat, dann darf der Rest auch schräg sein.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

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