Die Kraft des letzten Tageslichts


Kleine Traubenhyazinthe, Blume, Garten, lila, grün, dunkel
Kleine Traubenhyazinthe, Königs Wusterhausen/D ©Stefan Anker

Vielleicht kommt in diesem Fall ein System an seine Grenzen. Das System nämlich, Bilder zu jpg-Files geringer Dateigröße zu komprimieren, sie durchs Internet zu schicken, um sie in einem fremden Redaktionssystem hochzuladen. Ich habe den Eindruck, dass Bilder durch diese Prozedur immer ein Stück Schärfe verlieren – je nach Website, auf der sie landen, mal mehr, mal weniger. Darum muss ich hier eine Information ausdrücklich hinzufügen.

Die winzigen Blütenkelche der zweiten Blume von links (das ist die, die genau auf der linken senkrechten Drittellinie steht) sind in der von mir fotografierten und nachbearbeiteten Originaldatei super-mega-rattenscharf. Das ist bei Makroaufnahmen aus der Hand mit großer Blende (hier: 2.8) nicht ganz einfach, aber es kann gelingen, mein Ausschuss war sogar recht gering heute Abend.

Im Gegensatz zum Freihandfoto von gestern habe ich hier nicht die Kamera aufgestützt, sondern mich ihrer Elektronik  bedient. Da der Bereich der Tiefenschärfe in solchen Makroaufnahmen nur wenige Millimeter beträgt, zerstört das leichte Vor- und Zurückschwanken des Fotografen in der Regel die Schärfesetzung. Das kann man umgehen, wenn man den Autofokus auf automatisches Nachführen umstellt, bei Canon heißt das AI Servo, bei Nikon und Sony AF-C.

Damit bleibt das Autofokusfeld, das man durch das halbe Durchdrücken des Auslösers aktiviert hat, permanent aktiv – eigentlich ist das mal erfunden worden, damit der Autofokus dem sich bewegenden Motiv folgt, aber umgekehrt geht es natürlich auch: Wenn ich im Bereich von ein, zwei Zentimetern schwanke und damit mein Motiv aus der Schärfezone gerät, dann gleicht AI-Servo diesen Effekt wieder aus. Nicht immer passt das genau, aber man hat doch wesentlich weniger Fehlschüsse als mit festem Autofokus, der sofort nach dem Erfassen des Motivs einrastet und sich erst wieder neu justiert, wenn man das Bild gemacht hat.

Die zweite Besonderheit an diesem Foto ist das sehr sparsame Licht. Ich habe das Bild kurz vor oder nach dem Sonnenuntergang aufgenommen, da kann von letztem Abendlicht in unserem Garten nicht mehr die Rede sein – hohe Bäume schatten alles ab.

Trotzdem haben sich helle Punkte auf den Spitzen der Kleinen Traubenhyazinthen ergeben, und dafür habe ich keine richtige Erklärung. Ich habe keinen Blitz benutzt, und das Licht war absolut gleichmäßig schwach. Eine Theorie wäre, dass die Wände der oberen Blütenkelche vielleicht dünner sind oder nicht so eng beieinander liegen wie die der Kelche weiter unten.

Was man auf jeden Fall sagen kann: Es lebe der große Sensor! Ich bin immer wieder beeindruckt, was ein Sensor im Kleinbildformat (24×36 Millimeter, wird allgemein Vollformat genannt) gerade bei schlechtem Licht noch für Differenzierungen aus dem Bild herausholt.

Natürlich habe ich später auch wieder Bildbearbeitung betrieben, aber schon das jpg-Bild auf dem Kameradisplay hat mich wirklich beeindruckt. Von mir kamen noch die üblichen Schritte dazu, um Farb- und Kontrastwirkung zu erhöhen. Und um die scharfe Blüte zu betonen, habe ich nicht etwa ihre Spitze per Radialfilter aufgehellt, sondern die anderen leicht abgedunkelt

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

4 Kommentare zu „Die Kraft des letzten Tageslichts

  1. …und der „Trick“ mit dem Nachführfokus ist genial. Eine Funktion die ich bisher nur in klassischen Situationen verwendet habe . Ich bin zwar weder im Canon noch im Nikonlager und auch nicht im Vollformatsektor unterwegs aber meine kleine Sony kann das auch. Mal sehen wie gut.

    Gefällt 1 Person

      1. Ich kann jetzt nur für die Sony NEX 6 sprechen. Zunächst hat sie 3 Focus-Modi. MF, AF und DMF. Die Raten beiden dürften klar sein, DMF bedeutet direkt manueller Fokus. Auslöser halb durchdrücken verhält sich wie AF . Wenn dann aber bei halb gedrücktem Auslöser der Fokussiering am Objektiv betätigt wird, vergrößert sich das Sucherbild ( Videosucher) und ich kann die Schärfenebene noch ändern ohne erst auf manuell umschalten zu müssen.

        Der von Dir angesprochene Nachführfokus heißt bei meiner Sony AF-C ( Standard ist AF-S) und funktioniert nicht bei DMF sondern nur bei AF.

        In meinem konkreten Fall ist meine Haupteinstellung

        DMF AF-S ( s für single)

        Für Nachführfokus muß ich zwei Änderungen vornehmen

        AF AF-C (c für continuously )

        Der Aufwand ist vertretbar.

        Gefällt 1 Person

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