Das Leben ist schön


Fähre, Ostsee, Dänemark, Fynshav
Fähre in der Ostsee, Fynshav/DK                    ©Stefan Anker

Wow, meine kleine Schicksalsstory von gestern ist ziemlich genau doppelt so häufig gelesen worden wie ein durchschnittlicher Blogpost – sollte ich am Ende mehr über meine Befindlichkeiten schreiben? Ach was, hier geht es um Fotografie, und außerdem bin ich ziemlich sicher, dass die eine oder andere Text-Bild-Kombination sowieso schon etwas über mich sagt. Vielleicht nur nicht so direkt. Heute allerdings liegt es wohl auf der Hand: Ich mag Schiffe.

Wie sonst ist es zu erklären, dass ich nach dem Beitrag vom Freitag schon wieder dieselbe Fähre hier präsentiere? Allerdings darf ich zu meiner Verteidigung sagen, dass sich a) das Wetter geändert hat (von gut nach schlecht) und ich b) eine ganz andere Art der Bildbearbeitung gewählt habe – womit wir doch wieder beim Thema wären.

Aber einen Moment noch, denn vor der Bearbeitung steht das Fotografieren, also das Nachdenken über das, wie das Bild aussehen, wirken, oder was es sagen soll. Heute fiel mir der Seegang ins Auge, mit dem es die „Skjoldnaes“ auf ihrer Fahrt von der Ostsee-Insel Aeroe zum dänischen Festland zu tun hatte. Erfahrene Nordsee-Skipper werden das Wort vom Seegang nur milde belächeln, aber aus fotografischer Sicht hat es sich gelohnt, den Moment abzupassen, in dem die Bugwelle sich zu einer möglichst beeindruckenden Gischtfahne entwickelt.

Eine schnelle Kamera hilft bei solchen Aufnahmen, denn sonst fordert es viel Einfühlungsvermögen in die Geheimnisse der Auslöseverzögerung, um den entscheidenden Moment wirklich zu treffen (ja, auch 0,3 oder 0,2 Sekunden können sich da bemerkbar machen). Ich habe jedenfalls mit einem Tempo von zehn Bildern pro Sekunde draufgehalten, allerdings den Finger auch immer nach vier, fünf Bildern wieder weggenommen – sonst hätte ich nachher so viel Material zum Durchsehen gehabt.

Beim Bildaufbau habe ich ausprobiert, ob man es doppelt klassisch gestalten kann, also sowohl zur Drittelregel passend als auch zum Goldenen Schnitt. Siehe da, es geht: Der Bug der Fähre liegt im Schnittpunkt der oberen und rechten Drittellinie, und der Horizont markiert exakt den Goldenen Schnitt (was das genau ist, steht hier).

Man muss dieses Thema wahrlich nicht bei jedem Foto spielen, aber die Beschäftigung damit schadet auch nicht bei der Weiterentwicklung der eigenen Fotografie. Regeln brechen kann man jederzeit, aber das macht viel mehr Spaß, wenn man sie eigentlich beherrscht, statt sie beständig zu ignorieren.

In der Bearbeitung der Farben habe ich nicht wie vor drei Tagen auf Entsättigung und Fernglas-Look gesetzt, sondern hatte vielleicht eher eine gewisse Postkarten-Ästhetik im sinn. Also wieder mal starke Kontraste und satte Farben, und dann habe ich noch das Sonnenlicht, das durch ein Loch in der Wolkendecke von schräg hinten aufs Schiff fällt, etwas verstärkt. Dazu habe ich wie häufig einen Radialfilter eingesetzt: Er lässt die weißen Aufbauten des Schiffes unangetastet, dunkelt aber den Rest der Umgebung ab, was vor allem die Wirkung der Schlechtwetterfront hinter der Fähre verstärkt.

Und damit dann doch noch zu etwas Persönlichem, was offenbar so geschätzt wird: Jetzt, da ich diesen Text schreibe, sitze ich an Bord der „Skjoldnaes“ und fahre nach meinem Potsdam-Wochenende wieder nach Aeroe zurück. Die dunklen Wolken sind weg (das geht immer schnell hier), der Wind bläst kräftig, und auf der Insel wartet (hoffentlich) nicht nur meine Frau auf mich, sondern mein Sohn, seine Freundin und unser Enkel sind inzwischen auch eingetroffen. Das Leben ist schön.

Nur falls es jemanden interessiert.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

2 Kommentare zu „Das Leben ist schön

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