Schon wieder Ärger mit HDR


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Die Sonne überm Mittelmeer, Andratx/E                    ©Stefan Anker

Bin ich schon so alt? Leiste ich vielleicht unterbewusst Widerstand gegen so moderne technische Errungenschaften wie HDR (High Dynamic Range). Jedenfalls hatte ich bisher immer etwas an Bildern mit besonders hohem Dynamikumfang auszusetzen, obwohl daran theoretisch ja nichts Schlechtes ist, wenn ein Foto Zeichnung sowohl in den ganz dunklen als auch in den ganz hellen Bereichen hat und alles gut zu erkennen ist. Nichts säuft ab, nichts frisst aus, wo ist mein Problem? Obwohl HDR-Bilder versuchen, das natürliche Sehen der Auge-Gehirn-Kombination nachzubilden, kamen sie mir bislang immer etwas künstlich vor. Bis heute morgen, da konnte ich zum ersten Mal frohlocken. Um dann einen echten Tiefschlag hinnehmen zu müssen.

Aber der Reihe nach: Wir Menschen können erstaunlich gut sehen im Vergleich zu einer Kamera. Jetzt im Moment sitze ich in einer Hotellobby und schreibe diesen Text, während ich durchs Fenster das Meer und die gleißende Sonne sehen kann. Eine Kamera würde entweder das Meer fast weiß darstellen und die Lobby korrekt – oder umgekehrt den Innenraum stockfinster und die Landschaft draußen korrekt. Dagegen soll HDR helfen, indem mehrere Bilder unterschiedlich belichtet und dann intelligent zusammengerechnet werden.

Meine Erfahrungen damit sind eher bescheiden. An meiner Canon 7D Mark II gibt es eine HDR-Funktion, die geradezu lächerliche Ergebnisse produziert. Nahezu alle Bilddetails, die vor einem hellen Hintergrund stehen, tragen nach der kamera-internen HDR-Berechnung einen leuchtenden Licht- und/oder Farbsaum, so etwas kann ich nicht gebrauchen. Dann hat Adobe in dem Bildbearbeitungsprogramm Lightroom eine HDR-Funktion eingeführt. Man belichtet drei oder mehr Bilder unterschiedlich und lässt sie in der Software zusammenrechnen. Das Ergebnis sieht dann immer fast genau so aus, wie die Kamera das sowieso belichtet hätte.

Jetzt also entdecke ich, dass auch meine neue Canon 5D Mark IV eine HDR-Funktion besitzt. Und siehe da, die Bilder sehen nicht übel aus. Als heute früh die Sonne aufging, schlug also meine Stunde. Ich hielt die Kamera aus dem Fenster meines Zimmers,  fotografierte direkt in die Sonne und experimentierte mit verschiedenen Einstellungen der HDR-Funktion. Ich muss sagen, das war wirklich beeindruckend, jedenfalls am Kameradisplay.

Leider kam ich nicht mehr dazu, mir die Bilder am Computer genauer anzusehen. Als ich das nach dem Frühstück tun wollte, waren die Fotos nämlich alle von der Speicherkarte verschwunden. Einfach weg.  Wie es aussieht, hatte ich die Funktion „Ursprungsfotos löschen“ aktiviert, was ja auch nicht so schlimm wäre. Aber die berechneten jpg-Dateien waren auch nicht mehr aufzufinden (nein, auch nicht hinter allen anderen Fotos, die die Datei-Endung „cr2“ tragen). Hier hat sich offenbar gerächt, dass ich kein Leser von Bedienungsanleitungen bin – wahrscheinlich muss ich mir wenigstens das HDR-Kapitel doch mal ansehen.

Jedenfalls habe ich das HDR-Experiment dann zwei Stunden später mit deaktivierter Löschfunktion wiederholt. Die Farb- und Helligkeitsnuancen des frühen Morgens sind hier nun leider nicht mehr zu sehen, aber die HDR-Berechnung finde ich trotzdem einigermaßen okay. Zwar ist ein unnatürlicher Kontrast in den Wolken zu sehen (und die schlimmsten dunklen Stellen habe ich schon mit dem Korrekturpinsel bearbeitet), aber trotzdem sieht die Sache weit besser aus als alles, was ich bisher gesehen habe.

Vielleicht werde ich ja doch noch zum HDR-Freund.

P.S.: Und nun zu etwas völlig anderem – der Horizont liegt hier genau im Goldenen Schnitt. Das bedeutet, dass das Bildhöhenverhältnis Himmel/Meer dasselbe ist wie das Verhältnis Gesamtbildhöhe/Bildhöhe Meer. Ist eine komplizierte Rechnung, sieht aber harmonisch aus.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

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