Falsch, alles falsch


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Makellose Seegrundstücke in Brandenburg, Heidesee/D                    ©Stefan Anker

Dieses Foto ist allein das Produkt meiner Fantasie. So sieht es an dieser Stelle des schönen Bundeslandes Brandenburg nie und nimmer aus. Es gibt aber einen Grund, aus dem ich das Bild genau so haben wollte.

Die Manipulation dieser Landschaftsaufnahme liegt allerdings nicht in der Komposition, sondern allein in der Bildbearbeitung. Die Szene ist echt, es sieht dort wahrscheinlich jeden Tag so aus, es sei denn, die Bootsbesitzer schippern gerade irgendwo in dem ausgedehnten Seengebiet südöstlich von Berlin herum.

Aber die Licht- und Farbwirkung entspricht nicht der Realität an diesem heiter-wolkigen Frühlingstag. Soft und hell sieht das Bild im Original aus, doch habe ich beim Anblick dieses Uferstücks an der Verbindung zwischen Schmöldesee im Süden (schräg rechts hinter der Kameraposition) und dem Langen See im Norden einfach ein kühleres Gefühl.

Die beiden Grundstücke der offensichtlich recht wohlhabenden Leute sind so dermaßen picobello und akkurat, selbst die Parklücken für die Yachten sind korrekt ausgestochen, dass ich dieses Foto einfach ins Kühle und Unwirkliche bearbeiten musste. Irgendwo weiter hinten summte auch noch ein Rasenmäher-Roboter herum, der sich dann aber leider zurückzog – er rundete den Eindruck der Perfektion noch ab.

Ich kenne  natürlich die Leute nicht, die das Glück haben, an diesem schönen Flecken Erde zu wohnen. Aber wenn ich auf ihre Grundstücke schaue, bin ich maximal etwas neidisch auf die Größe (Fläche bzw. Raum sind neben Zeit die wahren Luxusgüter) – ich verstehe einfach nicht, wie man seinen Garten so glatt und steril gestalten kann.

Da es jetzt die Nik-Filter zur Bildbearbeitung kostenlos gibt, habe ich mich da mal etwas durchgeklickt, um eine Inspiration zu finden, die die Keimfreiheit dieser  Szene noch unterstreichen kann. ich war allerdings mit keinem Preset so richtig zufrieden und habe mich dann selbst ans Werk gemacht.

Wichtig für einen eher unwirklichen Bildeindruck ist die Überbetonung des Kontrastes in den Wolken. Das habe ich mithilfe eines Verlaufsfilters von oben nach unten erreicht: Im Filter wurde die Belichtung abgesenkt und der Kontrast erhöht. Die Regler für Sättigung und „Dunst entfernen“ (neu in Lightroom CC bzw. 6) verstärken den Effekt in den Wolken weiter.

Das ganze Bild hat erheblichen Extra-Kontrast bekommen (auch mithilfe der Regler für Lichter, Tiefen, Weiß und Schwarz), dazu viel Klarheit und Dynamik, aber wenig zusätzliche Belichtung. Am Ende habe ich noch die Sättigung – Achtung – deutlich abgesenkt (-55) und dafür die Farbtöne, Leuchtdichte (Luminanz) und Sättigung der Farbe Grün extra manipuliert.

Ganz zum Schluss habe ich den Weißabgleich in Richtung Blau verschoben, im Verlaufsfilter für den Himmel habe ich aber in Richtung Gelb gearbeitet, damit das Bild nicht zu bläulich wirkt. Auch habe ich die Vignette an der linken oberen Ecke des Bildes mithilfe eines weiteren, hier nur aufhellenden Verlaufsfilters wieder aufgehoben – die Abdunklung von Weiß oder Beinahe-Weiß sieht immer ein wenig schmutzig aus, und Vignettierungen wirken für mich ohnehin am überzeugendsten, wenn sie dunkle Ecken noch etwas dunkler machen.

War’s das? Ja, im Wesentlichen. Muss das alles sein? Natürlich nicht. Aber ich freue mich immer, wenn ich von einem Bild eine Vorstellung habe, die ich verwirklichen will. Manchmal kommt diese Idee erst nach dem Fotografieren, manchmal kommt sie vorher. Dann kann man auch versuchen, mithilfe der Kamera und der Fotografiertechnik das Bild in die gewünschte Richtung zu bringen. Bei weitwinkligen Landschaftsfotos finde ich das eher schwierig, nehme allerdings auch gerne jeden sachdienlichen Hinweis dazu an.

Und ausnahmsweise zeige ich hier auch noch die unbehandelte Raw-Datei. Das ist nicht das jpg-File, das die Kamera zubereitet, sondern die reine Bildinformation ohne jegliche Korrektur bzw. Optimierung.

Projekt 366-160430-33-2
Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

 

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