Es gibt kein schlechtes Wetter


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Drei Renn-Katamarane auf dem Hudson River, New York/USA                    ©Stefan Anker

Viele Fotografen sind sehr gut – im Hadern. Zu viel Sonne, zu wenig Sonne, harte Schatten, keine Schatten oder eben ganz allgemein: schlechtes Licht. Nichts kann man ihnen recht machen. Diese Haltung ist falsch, denn sie macht die Fotos erst recht schlecht. Wenn man nicht so leichtsinnig war, vertraglich festzuhalten, dass man seinem Kunden sonnige Bilder liefert, dann kann man bei jedem Wetter entspannt bleiben. Und die Energie fürs Hadern lieber ins Fotografieren stecken.

Wie man an den Fotos von gestern und vorgestern schon sehen konnte, bin ich derzeit in New York. Anlass ist eine der vielen Vorbereitungsregatten zum America’s Cup, und natürlich hatte ich mir vorgestellt, hier fliegende Boote vor knackiger Skyline und strahlend blauem Himmel zu fotografieren.

Weit gefehlt. Das Wetter ist sehr, sehr schlecht. Zwar habe ich gestern von einem Beobachtungsboot viele Bilder der großen Katamarane machen können, aber die Wolken hingen so tief, dass sie halb Manhattan verschluckten, und durch den Windschatten der Wolkenkratzer sackten die Yachten immer wieder in Windlöcher und kamen kaum voran.

Von diesen Bildern habe ich denn auch nichts hier präsentiert, aber heute hatte ich das Gefühl, dann doch mal den Anlass meiner Reise im Blog dokumentieren zu müssen. Als wir mit einem kleinen Boot ans andere Ufer des Hudson River fuhren, um vor dem Rennen der Yacht von Team Oracle USA einen Besuch abzustatten, war meine Chance gekommen.

Der Wind war zwar gleich null (die erste Regatta ist denn auch nach wenigen Minuten abgebrochen worden), aber das erhöhte für mich den Reiz. Diese ultraleichten Rennmaschinen (2400 kg) heben sich bei einer bestimmten Windgeschwindigkeit aus dem Wasser und fliegen dann, nur von einer Art Tragfläche mit dem Wasser verbunden, mit bis zu 50 Knoten (ca.90 km/h) dahin.

Umso überraschender, wenn man solche Boote einfach mal nur so herumdümpeln sieht. Die Wolken hängen heute nicht mehr ganz so tief, man kann sogar das Dach des neuen World Trade Centers erkennen (zwischen dem Oracle-Boot und dem mit dem Land-Rover-Emblem), nur die riesige Antenne ganz oben bleibt im Nebel verhüllt.

Die Abwesenheit von Schatten reduziert die Tiefe im Bild, aber dunkel ist es nicht: Ich habe hier bei ISO 200 und Blende 5.6 mit 1/1250 Sekunde belichtet (Warum so kurz? weil ich auf einem schaukelnden Begleitboot saß). Die Wolken wirken wie eine riesige Softbox und erzeugten ein geradezu klinisches, jedenfalls total gleichmäßiges Licht.

Das kann man langweilig finden, man kann sich aber auch über die Möglichkeiten in der Bildbearbeitung freuen. Wo keine Kontraste sind, hebt man sie in Lightroom an, und ich bin immer wieder erstaunt, was in so einer Raw-Datei alles drinsteckt. Um die leicht unheimliche Wirkung dieses Bildes zu erzeugen, habe ich zusätzlich eine Vignette eingesetzt und dann noch den Dunstfilter-Regler zur Hälfte nach rechts bewegt.

Der lässt zwar nicht jeden Dunst verschwinden, bringt aber extra Druck in die Wolken und das Wasser. Vorher waren sie fast weiß, mit wenig Zeichnung und geringen Lichtunterschieden. Nun wirkt alles schön lebendig und damit wie ein Beweis für meine These, dass man nicht hadern soll. Es gibt immer eine Chance für ein Foto – und eine zweite Chance am Computer.

Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
mail@stefananker.com

 

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