Mahlzeit, liebe Meise. Vor unserem Haus wächst ein Kirschbaum, und in dessen Geäst hängt meine Frau im Winter immer die schönsten Leckereien. Die Nicht-Zugvögel der Umgebung kommen jedenfalls gern und lassen sich, wenn man einfach nur dasteht und sich nicht groß bewegt, auch fotografieren. Allerdings komme ich in Sachen Tele-Objektiv hier deutlich an meine Grenzen. Erfahrene Vogel-Fotografen wissen: Unter 400 Millimeter geht eigentlich gar nichts, 600 Millimeter sind willkommen.
Monat: Januar 2016
Knapp daneben
Heute nehme ich die Besucher dieser Seite mit in unser Badezimmer – in dem mir durch verstärktes Nachdenken über Motive ein ungefähr zehn Jahre alter Bau- bzw. Planungsfehler wieder aufgefallen ist. Damals hat mich das sehr geärgert, heute habe ich mich daran gewöhnt.
Still ruht der See
Heute keine Kinder
Ich gebe zu, dieses Bild ist schon wieder schräg, und im Sinne der Abwechslung wäre es gut gewesen, heute ein gerades Motiv zu haben. Aber erstens sieht dieses Foto schräg besser aus (ich erkläre gleich, warum), und zweitens ist die Sache mit der Abwechslung eine zusätzliche Herausforderung in diesem Projekt, die ich wahrscheinlich nicht an allen 366 Tagen bewältigen kann. Ich versuche schon, thematische Verschiedenheit zu bieten, also nicht drei Tage hintereinander ein Makro aus meinem Haus oder immer nur Landschaft, Landschaft, Landschaft zu präsentieren. Auch bekomme ich es bisher ganz gut hin, auffällige Bildformate mit genügend Abstand voneinander zu veröffentlichen. Aber heute hat sich halt mal eine Wiederholung der Bildsprache eingestellt, damit müssen wir jetzt leben.
Schräg steht diese Spielplatzszene, um den Regelbruch im Bildaufbau noch deutlicher hervorzuheben. Eigentlich soll man das Hauptmotiv in das Foto hineinsehen lassen, diese Schaukelente (heißt das so?) aber guckt definitiv nach rechts zum Bild heraus. So kann man verfahren, wenn man geheimnisvoll sein will (gut, hier auf einem Kinderspielplatz kommt das eher nicht infrage), oder wenn sich im Hintergrund eine Struktur ergibt, die interessant ist.
Genau das behaupte ich für dieses Bild, denn die Brücke auf der linken Bildseite (die wieder schön von links unten nach rechts oben ansteigt) gefällt mir nicht nur, sondern sie bildet in ihrer dezenten Farbe und ruhigen Struktur auch einen guten Gegensatz zur quietschbunten, fast schon lebendigen Ente.
Einen ähnlichen Bildaufbau wähle ich auch ab und zu bei meinen Autofotos, Beispiele dafür sind hier, hier und hier zu sehen.
Vielleicht noch ein Wort zum Making Of: Ich bin ja ein Augenhöhen-Fetischist, darum musste ich hier eine Jeans ruinieren und mich ein paar Minuten in den Schnee setzen. Und wenn man beim Weitwinkel schön nah heran geht ans Motiv, dann erhält man auch mit kurzer Brennweite so etwas wie eine Tiefen-Unschärfe bei Blende 4 – mehr gibt meine Linse leider nicht her.
Am wichtigsten für dieses Foto ist jedoch der Einsatz eines Blitzes. Die Sonne kommt hier zwar noch nicht direkt von vorn, sondern schräg von links. Aber diese Position der Hauptlichtquelle genügt schon, um die Vorderseite der Ente deutlich dunkler erscheinen zu lassen als den Hintergrund. Um das auszugleichen und ein lebendiges Foto zu bekommen, kommt der Aufsteckblitz ins Spiel – wegen der geringen Entfernung zur Ente muss man die Blitzleistung herunter regeln. Um wie viel? Ausprobieren.
Persönlicher Kontakt: 0171/8323 565
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Schiefe Ebene
Unpolitisch
Ein einzelnes Windrad wirkt oft sympathisch, so alternativ und sauber. Viele Windräder in einem ganzen Windpark dagegen werden mancherorts auch als Bedrohung wahrgenommen. Dann steht nicht der abgasfrei erzeugte Strom im Vordergrund, sondern es geht um Lärmbelästigung, Gesundheitsgefahren durch nicht hörbaren Infraschall, Abholzung von Waldflächen für die Windmasten und ganz allgemein um die „Verspargelung“ der Landschaft. Dieses Foto soll nichts zur Debatte beitragen, es zeigt nur das Windkraftwerk, wie es ist. Jeder Betrachter möge selbst entscheiden, ob er es als Aufbruchssignal empfindet oder als Endzeitsymbol.
Anders sein
Es gehört schon etwas Mut dazu, in Brandenburg ein Baum und keine Kiefer zu sein. 72 Prozent der 808 Millionen (!) brandenburgischen Bäume sind Kiefern, auf Platz zwei liegen die Eichen mit sechs Prozent, und die hier abgebildete Birke wird nur noch gesammelt ausgewiesen, nämlich unter den Laubbäumen mit niedriger Lebensdauer (insgesamt acht Prozent Anteil). Für ein Foto ist so eine Sonderstellung natürlich schön.
Wool and the Gang
Auch ein Besuch im Einkaufszentrum bringt manchmal das Foto des Tages. Diese coolen Jungs vom Pulloverstand fielen mir auf, weil sie erstens im Halbkreis arrangiert waren, und weil zweitens eine natürliche Vignette auf dieser Szene lag. Nur ein einziger Strahler musste die Textilqualität beleuchten, und da weiß man schon beim Abdrücken, was daraus in der Bearbeitung noch werden kann.
Gesundes Essen
Meine Frau und ich essen ganz gern mal Chips und Käse am Abend – jedenfalls, wenn ich fürs Abendbrot zuständig bin, denn kochen kann ich nicht. Unser vornehmes Dinner heute hat mich zu einem weiteren Makrofoto inspiriert. Dazu war es nötig, dass ich ein paar Chips übrig ließ, was ja angesichts der darin eingebackenen Suchtstoffe schwierig ist. Ebenso anspruchsvoll gestaltet sich in der Regel die Suche nach einem halbwegs ästhetisch geformten Exemplar, das auch noch unbeschädigt sein muss. Jetzt, da ich den Text schreibe, überlege ich, ob ich die kleinen abstehenden Chips-Splitter an der linken Kante hätte wegretuschieren sollen – aber zu spät. Und inzwischen ist das Ding aufgegessen. Wen es nicht interessiert, wie genau man so ein Bild macht, der muss hier nicht weiterlesen. Für alle anderen kommt nun die ultimative Chipsfoto-Anleitung:


