Es ist so eine Sache mit qualmenden Fabrikschloten: Wir brauchen sie, aber keiner will sie in seiner Nähe haben. Und darüber nachdenken? Ach was, bei uns kommt der Strom aus der Steckdose, und alles, was wir sonst brauchen, gibt es doch im Supermarkt. Mit dieser Haltung ist es natürlich einfach, gegen alles zu sein. Und wenn das so ist, dann kann ich auch mal dem Symbol ungebremster Luftverschmutzung etwas Ästhetisches abgewinnen.
Ich will in meinem Projekt 366 nicht mein Leben dokumentieren, sondern eigentlich war geplant, dass ich jeden Tag ein eigens erdachtes Foto produziere und hochlade. Aus der Erfahrung von fast neun Monaten kann ich sagen: Es ist nicht immer gleich leicht. Heute zum Beispiel war ich sehr lange im Büro und bin auch bei Tageslicht nicht für die halbe Stunde nach draußen gekommen, die nötig ist, um mein Foto des Tages zu machen. Ich habe mir dann nach meinem späten Feierabend mit einer kurzen Session in der Tiefgarage geholfen. Das ist nicht zu fantasievoll, aber erstens haben fast leere Tiefgaragen ihren Reiz, und zweitens traf mich beim Fotografieren eine wunderbare Erkenntnis.
Ich glaube ja, dass Architekten alles hassen, mit dem sich die Menschen die Balkone verschönern, vor allem Blumenkästen und Sonnenschirme. Aber aus fotografischer Sicht ist ein Sonnenschirm im Einerlei der Linien und Flächen immer sehr schön – und heute hat der blaue Schirm sogar noch eine inhaltliche Bedeutung.
Da ist man nur ein paar Wochen im Urlaub, und dann das: Kahlschlag bei uns im Dorf. Gar nicht so weit von unserem Haus sind ein paar Tausend Quadratmeter Wald der Motorsäge zum Opfer gefallen. Als ich das heute entdeckte, stellten sich mir zwei Fragen. Erstens: Wieso? Und zweitens: Kann man dem Elend einen ästhetischen Reiz abgewinnen?
Nicht dass jemand glaubt, ich hätte schon wieder geschummelt, dieses Mal ist der Sonnenuntergang echt und nicht am Computer entstanden wie neulich. Was man heute hier sieht in Sachen Licht und Farben, ist nicht das Ergebnis einer Manipulation, sondern Folge einer ganz normalen Optimierung. Die fing allerdings schon beim Fotografieren an.
Ich finde, man darf Bilder manipulieren, was Farbeindruck, Lichtstimmung und solche Dinge angeht. Man muss die Manipulation allerdings auch zugeben, zumindest auf Befragen. Mein heutiges Foto des Tages habe ich deutlich verändert, und ich gebe das sogar ungefragt zu – weil es ohnehin herauskäme.
Heute erwarte ich einen besonders großen Schwall an Zuneigung für mein Bilddes Tages – von meiner Frau. Sie ist eine manische Garten-Bewässerin, und weil sie heute erst nach Einbruch der Dunkelheit nach Hause kommt und wahrscheinlich schon den ganzen Tag daran gedacht hat, was aus ihrem armen Garten wird, habe ich freiwillig für sie gesprengt. Ich halte normalerweise mehr davon, der Natur auch an heißen Tagen ihren Lauf zu lassen, aber mit dem Argument dringe ich nicht durch. Also habe ich hektoliterweise Wasser im Garten verteilt, wie meine Frau es auch immer macht. Damit sie froh ist.
Ich habe heute wieder mal etwas über SEO gelesen – Suchmaschinen-Optimierung. Aber ich wende das erlesene Wissen nicht an, weil ich mir die Freiheit nehme, Überschriften nach meinem eigenen Geschmack zu formulieren. SEO-mäßig hätte da jetzt stehen müssen „So sieht der neue Mercedes SL von innen aus“ oder vielleicht „Unglaublich, was der Blick ins Innere des nagelneuen Mercedes SL enthüllt“. Aber ich will das nicht. Mein Blog ist ein Langzeit-Projekt und wird sich auch ohne SEO-standardisierte Zeilen durchsetzen, da bin ich sicher. Das Projekt 366 wird zwar am Silvestertag enden, das war ja immer so geplant, aber dafür gibt es 2017 neue Aktivitäten, die ich jetzt vielleicht nur so andeute: Unglaublich, was 2017 auf MalAugeFragen.com los sein wird. Was das alles mit dem SL zu tun hat? Na ja, es wird nächstes Jahr hier auch um Autofotografie gehen, und das Innenleben des SL gibt jetzt schon mal eine Art Kostprobe.
Haben sie es tatsächlich geschafft: Noch vor dem Berliner Flughafen BER wird am 11. Januar 2017 die Hamburger Elbphilharmonie ihren Betrieb aufnehmen. Ich hatte heute in Hamburg zu tun und habe mir einen fotografischen Blick auf das gegönnt, was entstehen kann, wenn man sich neun Jahre Zeit nimmt – die etwas unwirkliche Nachbearbeitung ist dabei meine Reaktion auf die ebenso unwirkliche Geldsumme, die hier ausgegeben worden ist.
Sagte ich schon, dass ich große Kombis toll finde? Ich fahre selbst einen, allerdings ist da noch Luft nach oben, was HighTech-Faktor und Prestige angeht. Darum bin ich heute gern zur Pressepräsentation des T-Modells der Mercedes E-Klasse gefahren, denn das ist wirklich ein schönes Auto. Da es auch ein teures Auto ist, habe ich nach einem standesgemäßen Hintergrund für ein Foto gesucht – und ich würde sagen, es hat einigermaßen geklappt.