Dresden, Alter Schlachthof, Subway to Sally haben gerade die erste Zugabe gegeben (zusammen mit Musikern anderer Bands), und dann feiern sie zusammen mit einem hochmotivierten Publikum. Kann es Schöneres geben? Auch für einen Fotografen? Allerdings: Ich habe um dieses Bild wirklich gezittert.
Ich will ja nicht angeben, aber eine gute Position ermöglich dann doch ganz gute Fotos. Heute Nachmittag habe ich mich beim Soundcheck der Band Subway to Sally ganz entspannt mit auf die Bühne begeben, gewartet ob sich jemand beklagt, und als das nicht so war, konnte ich doch ziemlich exklusive Fotos machen, von denen ich hier eines zeige. Den Schlagzeuger Simon Michael habe ich natürlich vorher gefragt, ob hinter ihm stehen kann, sonst hätte es ja für den Ablauf des gespielten Stückes gefährlich werden können. Und für mich natürlich auch, denn wie man sieht, holt er ziemlich weit aus beim Spielen. Es ist übrigens nicht nur die Position, das dieses Foto attraktiv macht, hinzu kommen noch zwei andere wichtige Voraussetzungen.
Heute habe ich ein Machtwort gesprochen. Meine Frau hängt sehr an einem sehr alten Schwippbogen, der allerdings den Nachteil hat, pro Adventszeit mehrere recht teure Glühlampen zu zerstören und andere schwarz anlaufen zu lassen. Mit war das Ding schon lange nicht geheuer, und heute Morgen bekam meine Frau dann einen elektrischen Schlag. Gottlob nicht gefährlich und nicht schlimm – aber ich habe die Höllenmaschine abgeräumt und verfügt, nächste Woche auf dem Weihnachtsmarkt einen neuen Bogen zu kaufen. Dabei hatte ich längst für Ersatz gesorgt, schon vor Jahren. Aber meinen Kleinst-Schwippbogen (ca. 20 cm breit) findet sie irgendwie zu steril, weil LED-beleuchtet und computergesägt. Immerhin, er darf im Wohnzimmer stehen, und also habe ich heute mal versucht, ihn etwas gemütlicher aussehen zu lassen. Wobei ich mich von einem bestimmten Bildbearbeitungs-Trick schnell wieder verabschieden musste.
Heute ist es passiert, das Schlimmste nämlich, was einem Kreativen passieren kann: Mir ist nichts eingefallen. Niente, nothing, nada. Dass hier trotzdem ein Foto zu sehen ist, liegt nur daran, dass ich meine eigene Ideenlosigkeit ausbeuten musste – wie man sieht, sehr spät, genau 80 Minuten vor Ablauf der Frist. Kein Ruhmesblatt, zumal ich mich fast ausschließlich auf die Kamera- und Computertechnik verlassen habe.
Man soll ja nicht schadenfroh sein. Aber als ich heute in den Nachrichten hörte, dass auf unserer Autobahn die ganze Nacht gebaut würde und deshalb in östlicher Richtung zwei von drei Spuren gesperrt wären, da dachte ich: Wie schön.
Bin ich schon so alt? Leiste ich vielleicht unterbewusst Widerstand gegen so moderne technische Errungenschaften wie HDR (High Dynamic Range). Jedenfalls hatte ich bisher immer etwas an Bildern mit besonders hohem Dynamikumfang auszusetzen, obwohl daran theoretisch ja nichts Schlechtes ist, wenn ein Foto Zeichnung sowohl in den ganz dunklen als auch in den ganz hellen Bereichen hat und alles gut zu erkennen ist. Nichts säuft ab, nichts frisst aus, wo ist mein Problem? Obwohl HDR-Bilder versuchen, das natürliche Sehen der Auge-Gehirn-Kombination nachzubilden, kamen sie mir bislang immer etwas künstlich vor. Bis heute morgen, da konnte ich zum ersten Mal frohlocken. Um dann einen echten Tiefschlag hinnehmen zu müssen.
Bitte, bitte, schließt mich hier ein! Die ganze Nacht! Ich war heute Abend in der Carrera World, und das ist wirklich der Traum eines jeden kleinen Jungen (der unglücklicherweise im Körper eines 54-Jährigen steckt): Carrera-Bahnen, wohin das Auge blickt, die größte Bahn hat sechs Spuren und ist 82 Meter lang. Am Vorabend der Preisverleihung zum „Modellfahrzeug des Jahres von der Zeitschrift „Modellfahrzeug“ traf sich hier die Modellauto-Branche zu einem lockeren Rennabend, und am Ende gewann das Zweier-Team, in dem der Carrera-Chef mitfuhr, das Finale. Aber raten Sie mal, wer Zweiter wurde.
Ich bin wohl gerade in meiner Kindchenschema-Phase: Gestern das Bild von unserem Enkel und heute ein wunderbarer Welpe. Aber man muss die Fotos halt nehmen, wie sie kommen, und heute Abend waren wir eben bei Freunden zu Besuch, die sich vor einigen Wochen einen ganz jungen Schafpudel zugelegt haben. Ich wusste also schon, was für ein Bild ich heute für mein Projekt 366 machen würde, allerdings hätte es beinahe nicht geklappt – weil ich falsch ausgerüstet war.
Ist es nicht immer schön, wenn man Leute trifft, die anders sind, als man denkt? Okay, wie Lina van de Mars so sein könnte, weiß man seit der Sendung „Der Checker“, aber normalerweise würde man von einer 37-jährigen Frau kaum erwarten, dass sie mit einem alten Jeep Cherokee in die Werkstatt rollt und sich an den Wechsel von Bremsscheiben und -belägen macht. Aber Lina ist eben tatsächlich Kfz-Mechanikerin (und Mechatronikerin noch dazu), und sie schraubt darum wirklich selbst. Obwohl das Foto eigentlich das Gegenteil nahelegt.
Ich schreibe nicht oft und auch nicht so gern über Fototechnik, aber heute muss es mal sein: Ich habe mir eine neue Kamera bestellt. Nächste Woche hole ich sie ab, und ich bin guter Dinge, dass sie mein Fotografendasein positiv beeinflusst. Warum erzähle ich das zu einem Foto des Doms von Siena? Weil ich – Entschuldigung – absolut begeistert bin von dem Bild, was mir da heute gelungen ist, und weil ich das eben mit der alten Kamera gemacht habe. Dieses Foto soll mich daran erinnern, dass es nicht der Fotoapparat ist, der die Bilder macht, sondern der Mensch, der diesen Apparat in der Hand hält. Stellt sich nur die Frage, warum ich mir trotzdem eine neue Kamera gekauft habe.